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Landessozialgericht Mecklenburg-Vorpommern 5. Senat, Beschluss vom 25.03.2019, L 5 U 19/17

§ 8 Abs 1 SGB 7

Tenor

Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Sozialgerichts Stralsund vom 22. Februar 2017 wird zurückgewiesen.

Außergerichtliche Kosten sind auch im Berufungsverfahren nicht zu erstatten.

Die Revision wird nicht zugelassen.

Gründe

I.

1

Die Beteiligten streiten darüber, ob der Kläger am 8. Juli 2015 einen Arbeitsunfall in der gesetzlichen Unfallversicherung erlitten hat.

2

Der 1954 geborene Kläger war am 8. Juli 2015 als Callcenter–Agent bei der D. R. GmbH beschäftigt. In der Unfallanzeige seines Arbeitgebers vom 13. Juli 2015 hieß es, der Kläger habe am 8. Juli 2015 ein Telefongespräch mit einem Kunden geführt, wobei es während des Gespräches zu einer extremen Rückkopplung gekommen sei. Der Kläger sei daraufhin vom Stuhl gefallen und klage seitdem über extreme Ohr– und Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Ohrgeräusche. Er sei mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren worden.

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Die Beklagte zog daraufhin die Epikrise des S. Krankenhauses R. GmbH vom 14. Juli 2015 bei, in der über den dortigen stationären Aufenthalt des Klägers in der Zeit vom 8. bis 14. Juli 2015 berichtet wurde. Die stationäre Aufnahme sei mit Verdacht auf einen Hörsturz erfolgt. Die Diagnose lautete unter anderem Hochtonschwerhörigkeit beidseits.

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Der Facharzt für HNO–Heilkunde Prof. Dr. Dr. S. gab in seinem Bericht vom 21. Juli 2015 an, den Kläger am 20. Juli 2015 behandelt und ein Tonaudiogramm erstellt zu haben. Der Kläger habe über Ohrgeräusche auf dem linken Ohr geklagt. Die Diagnose lautete: Knalltrauma (DD: Lärmtrauma). Prof. S. beurteilte den Kläger als arbeitsfähig. Im Formularschreiben war unter der Ziffer 9 (sprechen Hergang und Befund gegen die Annahme eines Arbeitsunfalls?) das Kästchen mit „ja“ angekreuzt.

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Der Facharzt für Nervenheilkunde und Psychotherapie DM S. teilte in seinem Befundbericht vom 6. August 2015 mit, den Kläger am 28. Juli 2015 behandelt zu haben. Der Kläger habe angegeben, am 8. Juli 2015 durch einen noch ungeklärten technischen Defekt über Kopfhörer ein Knalltrauma erlitten zu haben. Aktuell gebe der Kläger ein Rauschen und Pfeifen sowie innere Anspannung, Erwartungsangst und Überforderungsgefühle bezüglich der bisherigen beruflichen Tätigkeit an. Die vorläufige Diagnose lautete: Verunsicherungszustand/phobisches Meidungsverhalten nach Knalltrauma (ICD – 10: F 40.8). Des Weiteren diagnostizierte DM S. beim Kläger einen beidseitigen Tinnitus.

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In seinem weiteren Bericht vom 30. September 2015 gab DM S. an, den Kläger zuletzt am 29. September 2015 behandelt zu haben. Der beidseitige Tinnitus sei im Wesentlichen unverändert. Der Kläger habe seine Tätigkeit als Callcenter–Agent zum 1. Oktober 2015 beendet.

7

Der Arbeitgeber des Klägers hatte wegen eines akustischen Vorfalles eines Mitarbeiters vom 22. Juni 2015 sowie des Klägers vom 8. Juli 2015 zwei Headsets zur Überprüfung an die Herstellerfirma GN N. gesandt. Diese erstellte unter dem 31. August 2015 einen sogenannten Evaluationsreport hinsichtlich des Headsets vom Typ GN 2100 Duo Headset und des Headsets BIZ 2400 DUO. Der „Evaluation Report“ wurde der Präventionsabteilung der Beklagten zur Verfügung gestellt. In seiner Stellungnahme vom 25. September 2015 gelangte Dipl.-Ing. F. vom Präventionsdienst der Beklagten zu der Beurteilung, das von der Firma GN N. getestete verwendete Headset Typ GN 2100 DUO Headset habe alle Anforderungen erfüllt und sei in Ordnung. Ein dauerhaftes Tonsignal mit einer Lautstärke von 118 dB über eine Mindestdauer von 0,5 Sekunden sei von den Lautsprechern des Headsets nicht erreicht worden. In den Messungen habe sich ein Maximum von 105 dB ergeben. Die zweite Möglichkeit, einen Hörsturz aufgrund eines lauten Ereignisses zu bekommen, sei ein Impuls mit einer Dauer von weniger als 0,5 Sekunden und einem Schalldruckpegel von 136 dB zu erzeugen. Bei dem Test sei ein maximaler Impuls von 112 dB erreicht worden.

8

Der Kläger habe am 8. Juli 2015 ein Gespräch mit dem Headset BIZ 2400 DUO geführt. Da das Headsets ebenfalls entsprechend geprüft (siehe Anhang) und als in Ordnung eingestuft worden sei, könne ein hörsturzgefährdender Schalldruckpegel als unwahrscheinlich angenommen werden. Für das Headset hätten sich nachfolgende Ergebnisse ergeben: ein dauerhaftes Tonsignal mit einer Lautstärke von 118 dB über eine Mindestdauer von 0,5 Sekunden sei von den Lautsprechern des Headsets nicht erreicht worden. In den Messungen habe sich ein Maximum von 104 dB ergeben. Bei der Erzeugung eines Impulses mit einer Dauer von weniger als 0,5 Sekunden und einem Schalldruckpegel von 136 dB sei bei den Tests ein maximaler Impuls von 109 dB erreicht worden.

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Mit Bescheid vom 13. Oktober 2015 lehnte es die Beklagte ab, das Ereignis vom 8. Juli 2015 als Arbeitsunfall anzuerkennen. Die Voraussetzungen eines Arbeitsunfalls nach § 8 Abs. 1 Satz 1 SGB VII lägen nicht vor. Der Kläger habe zum Zeitpunkt des Ereignisses als Callcenter–Agent grundsätzlich unter Versicherungsschutz gestanden, auch habe er sich bei versicherter Tätigkeit befunden. Eine äußere Einwirkung durch das Geräusch über den Kopfhörer habe ebenfalls bestanden. Diese Einwirkung habe jedoch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen verursacht und sei nicht ursächlich für die ärztlich festgestellten Gesundheitsstörungen gewesen, insbesondere die Ohrgeräusche, Kopfschmerzen und den Schwindel. Voraussetzung für die Entstehung eines Gesundheitsschadens im Zusammenhang mit einer Lärmeinwirkung sei, dass zunächst ein Lärmtrauma vorgelegen habe. Ein akutes Lärmtrauma setze die Einwirkung hoher Schallstärken mit einem Schallpegel von mindestens 130-160 dB voraus, die über die Dauer einiger Minuten eingesetzt haben müssten, um eine Schädigung des Gehörs verursachen zu können. Eine derartige Lärmeinwirkung könne aber aufgrund der technischen Ausstattung des Arbeitsplatzes des Klägers ausgeschlossen werden. Nach den Feststellungen der Präventionsabteilung sei das vom Kläger verwendete Headset der Firma J. mit einer technischen Vorrichtung ausgestattet, die das Auftreten von Lautstärkespitzen, die zu Schädigungen am Gehör führen könnten, verhindere. Ein dauerhaftes Tonsignal mit einer Lautstärke von 118 dB über eine Mindestdauer von 0,5 Sekunden sei von den Lautsprechern des Headsets nicht erreicht worden. In den Messungen habe sich ein Maximum von 105 dB ergeben. Die Möglichkeit der Schädigung durch einen Impuls mit einer Dauer von weniger als 0,5 Sekunden und einem Schalldruckpegel von mindestens 136 dB sei ebenfalls ausgeschlossen worden. Bei dem Test sei ein maximaler Impuls von 112 dB erreicht worden. Die bei dem für den 8. Juli 2015 beschriebenen Vorfall technisch maximal mögliche Schalleinwirkung sei physikalisch nicht geeignet, die beim Kläger diagnostizierten bzw. von ihm angegebenen Gesundheitsstörungen zu verursachen. Es liege kein Körpererstschaden vor, der auf das Ereignis vom 8. Juli 2015 zurückzuführen sei.

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Gegen diesen Bescheid legte der Kläger Widerspruch ein. Er habe keinerlei Beschwerden gehabt und sei seiner Arbeit normal nachgegangen, als er plötzlich während eines Telefonates einem lauten Knall ausgesetzt gewesen sei, den auch die in unmittelbarer Nähe sitzenden Mitarbeiter gehört hätten. Er sei vom Stuhl gefallen, habe notärztlich versorgt und eine Woche stationär behandelt werden müssen. Er leide an einem therapieresistenten Tinnitus beidseitig. Er habe erhebliche Zweifel daran, ob die Konstruktion des Headsets tatsächlich geeignet sei, das offensichtlich verursachte Knallgeräusch zu verhindern. Er gehe davon aus, dass das Headset sichergestellt worden sei und die Möglichkeit einer neutralen technischen Untersuchung bestehe.

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Nachdem seiner Prozessbevollmächtigten Akteneinsicht gewährt worden war, führte diese weiter aus, aus den Akten ergebe sich nicht, ob konkret das Gerät, das der Kläger am Unfalltag benutzt habe, getestet worden sei. Erkennbar sei lediglich, dass der entsprechende Typ getestet worden sei. In den Akten finde sich kein Hinweis, wann von wem das Gerät sichergestellt und wie damit konkret verfahren worden sei. Gegen das angegebene ordnungsgemäße Funktionieren des Gerätes sprächen die äußeren Anhaltspunkte, nämlich der außen hörbare Knall sowie die Tatsache, dass es kurze Zeit zuvor einen ähnlichen Vorfall gegeben habe.

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Zum Vorbringen der Prozessbevollmächtigten führte die Beklagte die weitere Stellungnahme des Dipl.-Ing. F. ihres Präventionsdienstes vom 10. März 2016 herbei. Hierin hieß es, ein Knalltrauma sei streng definiert mit Schalldruckspitzen von mindestens 160-190 dB über eine Dauer von ein bis drei Millisekunden. Beispiel sei ein Schuss, ein solches Ereignis habe nicht vorgelegen. Die Firma GN N. habe die beiden Headsets, welche bei dem Ereignis des Klägers und eines anderen Mitarbeiters getragen worden seien, BIZ 2400 DUO NC Headset Part. Nr. 2409-890-104 und GN 2100 DUO NC Hedset Part. Nr. 2129-82-04 geprüft. Dabei seien statische Störsignale und Störpeaks eingespielt worden. Diese Signale könnten im normalen Betrieb nicht vorkommen und sollten eine deutliche Übersteuerung simulieren. Dabei habe sich gezeigt, dass die vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerte eingehalten worden seien. Bei der eingesetzten Pegelbegrenzungstechnologie handele es sich um eine Hardwarelösung. Diese verhindere immer eine Übersteuerung der Ausgangsleistung. Bei zu großer Übersteuerung des Headsets komme es zum Totalausfall und damit zum irreparablen Funktionsausfall des Headsets. Die Prüfung der Headsets sei eindeutig und technisch nachvollziehbar durchgeführt worden. Am durchgeführten Prüfverfahren gebe es keinerlei Zweifel. Die betroffenen Geräte seien ihm ausgehändigt worden. Diese seien nach Rücksprache mit der technischen Abteilung und Überprüfung der Messverfahren zurück an den Arbeitgeber des Klägers gegeben worden. Zusammenfassend habe am 8. Juli 2015 mit Sicherheit kein akustisches Ereignis vorgelegen, das mit einem Knalltrauma vergleichbar sei. Eine wiederholte Überprüfung des Geräts ergebe keine neuen Erkenntnisse. Da das Headset in einem funktionsfähigen Zustand sei, werde es wahrscheinlich im Einsatz sein.

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Die Prozessbevollmächtigte trug daraufhin ergänzend vor, soweit ihr bekannt sei, seien mindestens drei Arbeitnehmer in kürzester Zeit von einem lauten Knall während der Benutzung eines Headsets betroffen gewesen. Auch werde bemängelt, dass vorliegend keine Untersuchungen zur Umgebung des Arbeitsplatzes des Klägers vorgenommen worden seien, um etwaige äußere Einflüsse oder Defekte in der gesamten technischen Installation zu prüfen, die auf das Headset einwirken könnten. Zum Unfallhergang seien die vom Kläger benannten Zeugen von der Beklagten nicht gehört worden. Der Kläger habe nach dem Unfall das betroffene Headset noch in seinem Besitz gehabt und es dem Qualitätsmanager seines Arbeitgebers S. B. ausgehändigt. Hierbei habe er sich die Nummer „00057031“ notiert. Er habe das (vermeintlich) überprüfte Headset wieder ausgehändigt erhalten. Es habe sich hierbei jedoch nicht um das von ihm übergebene, sondern um ein Headset mit einer – wenn auch schlecht lesbaren – eindeutig anderen Nummer des Typs GN 2100 gehandelt. Es bestünden daher Zweifel, ob das Headset, welches von der Firma GN N. überprüft worden sei, mit dem vom Kläger benutzten Headset identisch sei.

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Mit Widerspruchsbescheid vom 28. April 2016 wies die Beklagte den Widerspruch zurück. Zur Begründung führte sie ergänzend aus, nach den eingeholten technischen Stellungnahmen vom 25. September 2015 und 10. März 2016 seien die verwendeten Headsets bei dem Arbeitgeber des Klägers und insbesondere das vom Kläger verwendete Headset technisch nicht in der Lage gewesen, Geräuschpegel weiterzuleiten, die geeignet gewesen wären, eine gesundheitliche Schädigung des Hörorgans (zum Beispiel in Form eines Knalltraumas) zu verursachen. Insofern sei auch durch die Anhörung etwaiger Zeugen keine weitere Aufklärung des Sachverhalts zu erwarten gewesen.

15

Der Kläger hat am 26. Mai 2016 Klage beim Sozialgericht (SG) Stralsund erhoben. Unter Wiederholung und Vertiefung seines Vortrages aus dem Verwaltungsverfahren hat er ergänzend darauf hingewiesen, seit dem 14. Januar 2016 bei der HNO – Ärztin Dr. L. in Behandlung zu sein, die ihm ein Hörgerät verschrieben habe, das er seit dem 8. März 2016 trage. Er hat weiterhin bemängelt, dass die von ihm benannten Zeugen nicht gehört worden seien und dass nicht feststehe, dass auch das tatsächlich von ihm verwendete Headset getestet worden sei. Er habe bei dem Vorfall das Headset mit der Inventarnummer 00057031 getragen. Ob genau dieses Gerät durch die Firma GN N. getestet worden sei, bleibe ungeklärt, da in dem durchgeführten Test keine Inventarnummer festgehalten worden sei. Es könne also auch ein anderes Gerät des gleichen Bautyps getestet worden sein. Dies lasse nicht die Schlussfolgerung zu, dass genau das Gerät, das der Kläger getragen habe, keinen technischen Defekt aufgewiesen habe. Insoweit könne sich die Beklagte nicht darauf berufen, dass das betroffene Headset als Beweismittel nicht mehr zugänglich sei. Für die Sicherstellung des Headsets hätte die Beklagte Sorge tragen müssen. Auch wenn er grundsätzlich beweisbelastet sei, seien ihm vorliegend Beweiserleichterungen zuzubilligen. Denn er habe alles ihm zumutbare getan, um den Beweis erbringen zu können. Er habe sich den Empfang des Headsets durch den Mitarbeiter des Arbeitgebers bestätigen lassen; auf die weiteren Schritte habe er keinen Einfluss mehr nehmen können.

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Der Kläger hat beantragt,

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den Bescheid der Beklagten vom 13. Oktober 2015 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 28. April 2016 aufzuheben und die Beklagte zu verurteilen, das Ereignis vom 8. Juli 2015 als Arbeitsunfall anzuerkennen.

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Die Beklagte hat beantragt,

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die Klage abzuweisen.

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Sie hat die weitere Stellungnahme des Dipl.-Ing. F. vom 18. August 2016 überreicht. Hierin heißt es, eine Befragung der angegebenen Zeugen könne keine Aussage über die an den Ohren des Klägers anliegenden Spitzenschalldruckpegel geben. Auch ein Ereignis von 112 dB sei sehr laut, erfülle aber nicht die Kriterien an ein Knalltrauma. Diese Schalldruckpegel seien mit einem Headset technisch nachweislich (siehe Prüfprotokoll) nicht möglich. Der Arbeitgeber habe bisher in keinster Weise eine Verschleierung oder ein Hinhalten gezeigt, sondern die Ereignisse sofort überprüft und ernst genommen. Daher bestünden erhebliche Zweifel an der Aussage des Klägers, dass das überprüfte Headset nicht das verwendete gewesen sei. Das Unternehmen sei an der Aufklärung des Ereignisses sehr interessiert, da das Hauptgeschäft das Telefonieren sei. Wenn es ein Problem mit Headsets gebe, wolle das Unternehmen dieses wissen und lösen. Weiterhin sei zu bedenken, dass der Hersteller viele tausende baugleiche Headsets mit identischen Hardwarelösungen gebaut, getestet und verkauft habe. Spitzenschalldruckpegel von 160 dB hätten nachweislich nicht erreicht werden können.

21

Der ehemalige Arbeitgeber des Klägers hat dem SG auf Anfrage im Schreiben vom 26. September 2016 mitgeteilt, dem Kläger sei im November 2014 ein Headset des Typs „Jabra BIZ 2400 DUO“ mit der Seriennummer 2409–890–104 ausgehändigt worden. Laut Merkblatt mit quittiertem Empfang vom 10. November 2016 (Anlage 1) aus der Personalakte des Klägers habe das Headset die interne Inventarnummer 57042 gehabt. Der benannte Mitarbeiter S. B. könne sich aufgrund des verstrichenen Zeitraums nicht mehr daran erinnern, dass der Kläger das Headset bei ihm abgegeben habe. Das Headset des Klägers sei sofort nach der Abgabe beim Arbeitgeber mit den entsprechenden Notizen an die Zentrale nach Hamburg versandt worden. Von dort sei es weiter an den Hersteller zur Überprüfung geschickt worden. Auf ergänzende Nachfrage hat der ehemalige Arbeitgeber unter dem 10. Oktober 2016 mitgeteilt, das Headset mit der Inventarnummer 57031 sei der gleiche Bautyp wie mit der Nummer 57042.

22

Hierzu hat die Beklagte ausgeführt, dass nach den vom ehemaligen Arbeitgeber bestätigten baulichen und technischen Parameter der durch den Kläger verwendeten Kommunikationsanlage und – geräte es weiterhin aus naturwissenschaftlicher Sicht als ausgeschlossen erscheine, dass in diesem Zusammenhang bei der Nutzung Schalldruckpegel auf das Hörorgan des Klägers eingewirkt hätten, die nach Ausmaß und Dauer geeignet gewesen seien, die genannten Gesundheitsstörungen hervorzurufen.

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Der Kläger hat nochmals darauf hingewiesen, bei dem Vorfall das Headset mit der Inventarnummer 57031 getragen zu haben. Hierzu übersende er in Kopie den Ausgabezettel für das getauschte Headset mit dieser Inventarnummer. Außerdem übersende er den E-Mailverkehr mit der Empfangsbestätigung vom 17. Juli 2016 durch den Mitarbeiter S. B., dem er das defekte Headset nach dem Vorfall übermittelt habe.

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Hierzu hat die Beklagte die weitere Stellungnahme des Dipl.-Ing. F. vom 12. Dezember 2016 überreicht. Hierin heißt es, wie in den letzten Stellungnahmen dargestellt, sei es technisch nicht möglich, mit einem Headset Schalldruckpegel zu erzeugen, die ein Knalltrauma auslösten. Eine schlechte Kontaktstelle verursache einen geringeren Stromfluss und gebe damit weniger Leistung an den Lautsprecher. Wenn es zu einem Kabelbruch komme, gehe der Stromfluss gegen Null und der Lautsprecher bleibe somit stumm. Bisher seien von Klägerseite lediglich Verschwörungstheorien aufgestellt worden. Die Frage sei nicht, wer dabei gewesen sei und welche Empfangsbestätigungen es für das Headset gebe, sondern ob das Headset für ein Knalltrauma ursächlich sein könne. Aus seiner beruflichen Erfahrung als Elektrotechnik Ingenieur, als Aufsichtsperson, aus den technischen Prüfprotokollen und aus Sicht der Entwickler und Techniker von Headsets seien derartige Pegel an einem Headset nicht möglich.

25

Durch Urteil vom 22. Februar 2017 hat das SG Stralsund die Klage abgewiesen. In den Entscheidungsgründen hat es ausgeführt, die angefochtenen Bescheide der Beklagten seien rechtmäßig und verletzen den Kläger nicht in seinen Rechten. Dieser habe keinen Anspruch auf Anerkennung des Ereignisses vom 8. Juli 2015 als Arbeitsunfall nach § 8 SGB VII. Es könne nicht festgestellt werden, dass es am 8. Juli 2015 zu einem akustischen Vorfall am Arbeitsplatz des Klägers gekommen sei, der geeignet gewesen sei, einen Hörsturz und einen Tinnitus beim Kläger auszulösen. Das Gehörorgan könne durch Schalleinwirkung von hoher Energie bei kurzer Einwirkungszeit geschädigt werden. Je nach Art der schädigenden Schallwellen, der Begleitumstände und den Auswirkungen auf das Ohr unterscheide man Knall–, Explosionstrauma, akustischen Unfall und akutes Lärmtrauma. Zur bejahenden Zusammenhangsbeurteilung sei erforderlich die Eignung des Ereignisses, ein Knalltrauma des Ohres zu verursachen (Schallpegel mehr als 150-160 dB). Typisch sei eine sofortige völlige Vertäubung, verbunden mit Ohrensausen, oft auch mit stechendem Schmerz; danach trete allmählich Verbesserung ein. Typischer Hörbefund sei die C5–Senke oder der Steilabfall. Andere Ursachen seien auszuschließen, vor allem eine chronische Lärmschwerhörigkeit. Es dürfe keine Schädigung des Gleichgewichtsorgans eintreten. Vorliegend kämen ein Knall – oder akutes Lärmtrauma in Betracht. Ein akutes Lärmtrauma setze exzessiv hohe Schallstärken über die Dauer einiger Minuten zwischen 130 und 160 dB voraus, die zur ein– oder doppelseitigen akuten Schwerhörigkeit führten, ohne dass eine besondere Empfindlichkeit des Gehörs vorliege. Ausweislich der Auskunft des ehemaligen Arbeitgebers seien die Headsets mit den Inventarnummer 57042 und 57031 baugleich. Es handele sich bei beiden Headsets um das Gerät des Typs „Jabra BIZ 2400 DUO“. Der Kläger habe aber unter Umständen das ausgehändigte Headset mit der Nummer 57042 getauscht. Da auch die vom Kläger vorgelegte Ausgabeliste kein Datum enthalte, sei zweifelhaft, welches Headset abgegeben und geprüft worden sei, jedenfalls aber ein baugleiches Headset, dessen technische Parameter die erforderlichen hohen Schallpegel für ein Knalltrauma oder ein Lärmtrauma nicht erfüllten. Dass der Kläger ein anderes Headset vom Typ GN 2100 der Firma GN N. nach der Prüfung zurückerhalten habe, spreche nicht gegen die korrekte Testung des tatsächlich verwendeten und abgegebenen Headsets BIZ 2400. Dass hier letzte Zweifel verblieben, ob das tatsächlich am 8. Juli 2015 vom Kläger genutzte Headset der technischen Überprüfung unterzogen worden sei, führe nicht zur Umkehr der Beweislast. Besondere Beweisschwierigkeiten könnten bei der Beweiswürdigung berücksichtigt werden, etwa wenn übliche Beweismittel nicht zur Verfügung stünden, weshalb vorhandene Erkenntnisquellen, etwa Beteiligtenvorbringen an Gewicht gewännen. Bei besonderen Beweisschwierigkeiten dürfe die entscheidende Stelle geringere Anforderungen an den Beweis der betreffenden Tatsache stellen als sonst, ohne dass das jeweils maßgebende Beweismaß als solches reduziert sei. Selbst wenn am genutzten Headset ein Defekt vorgelegen hätte und dieses nicht ausgemessen worden sein sollte, so habe der technische Aufsichtsbeamte Fritsch in seiner Stellungnahme vom 12. Dezember 2016 klargestellt, dass eine schlechte Kontaktstelle zu einem geringeren Stromfluss gegen Null geführt hätte und der Lautsprecher demzufolge stumm geblieben wäre. Schallpegel, die für ein Knall – oder Lärmtrauma erforderlich seien, ließen sich in den Headsets nicht erzeugen. Im Ergebnis könne die Frage, ob das Headset mit der Nummer 57042 geprüft worden sei, offen bleiben. Wegen der Baugleichheit der Headsets mit den Inventarnummern 57042 und 57031 sei mit der technischen Überprüfung davon auszugehen, dass ein Schalldruckpegel von mindestens 130 dB in den Headsets des Typs „Jabra BIZ 2400 DUO“ nicht erzeugt werden könne. Im Übrigen könne auch der Kläger nicht nachweisen, welches der genannten Headsets er abgegeben habe. Darüber hinaus seien die HNO–Befunde nicht eindeutig auf ein Trauma hinweisend. Beim Kläger bestehe eher eine C3–Senke, auch sei nicht von einer völligen Vertäubung berichtet worden. Da die benannten Zeugen den erforderlichen Schallpegel nicht bezeugen könnten, stellten sie keinen geeigneten Beweis für das Knall– oder Lärmtrauma dar, sodass eine Vernehmung als Zeuge ausscheide.

26

Gegen das am 27. Februar 2017 zugestellte Urteil hat der Kläger am 23. März 2017 Berufung eingelegt. Er hat nochmals angeboten, die von ihm benannten Zeugen zum Geschehensablauf vom 8. Juli 2015 zu vernehmen. Auch wenn bei ihm nicht nachgewiesen sein sollte, dass die für ein akutes Lärmtrauma oder Knalltrauma erforderlichen exzessiv hohen Schallstärken vorgelegen hätten und die HNO-Befunde nicht eindeutig auf ein Trauma hinwiesen, schließe dies einen anders gearteten Ursachenzusammenhang zwischen dem Lärmereignis und der Gesundheitsbeeinträchtigung selbstverständlich nicht aus. Dies hätte das SG durch Einholung eines Sachverständigengutachtens aufklären können.

27

Im Hinblick auf seinen stationären Krankenhausaufenthalt vom 8. bis 14. Juli 2015 nach dem Ereignis hätten die Symptome bei ihm den Verdacht eines Tinnitus ergeben, außerdem sei eine Hochtonschwerhörigkeit beidseits erstmals bei ihm festgestellt worden. Der Umstand, dass die Einflüsse von plötzlich auftretenden Störgeräuschen mit hoher Intensität im Headset auch unter dem Gesichtspunkt psychischer Auswirkungen wie Erschrecken und Ängste sowie daraus resultierender körperlicher Reaktionen betrachtet werden müssten, werde selbst in der von der Beklagten herausgegebenen Broschüre „CCall Special“ festgehalten. Zumindest zwei Ärzte hätten ausdrücklich ihre Diagnose als Knalltrauma bezeichnet.

28

Ein Tinnitus oder Hörsturz könne ohne Verletzung des Hörorgans durch Stress entstehen; es liege sehr nahe, dass das laute Geräusch aus dem Headset und der dadurch jedenfalls hervorgerufene Schreck und Sturz vom Stuhl bei dem Kläger eine Stresssituation herbeigeführt habe, die zu dem Tinnitus oder Hörsturz geführt habe. Jedenfalls aber der als psychische Diagnose festgehaltene Verunsicherungszustand und das phobische Meidungsverhalten nach „Knalltrauma“ seien naheliegende Folgen des Geschehens und hätten Krankheitswert gehabt, wie jedenfalls der einwöchige Krankenhausaufenthalt zeige. Das SG habe zu Unrecht eine einschränkende Prüfung der Diagnose der Lärmschwerhörigkeit vorgenommen und sich nicht hinreichend mit den anderen Gesundheitsbeeinträchtigungen befasst.

29

Der Kläger beantragt sinngemäß,

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das Urteil des Sozialgerichts Stralsund vom 22. Februar 2017 sowie den Bescheid der Beklagten vom 13. Oktober 2015 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 28. April 2016 aufzuheben und festzustellen, dass das Ereignis vom 8. Juli 2015 einen Arbeitsunfall darstellt.

31

Die Beklagte beantragt,

32

die Berufung zurückzuweisen.

33

Sie hält die Vernehmung der vom Kläger benannten Zeugen für nicht erforderlich, da sie keine wesentlichen Zweifel an der Schilderung des Hergangs des Ereignisses vom 8. Juli 2015 durch den Kläger habe. Durch ihre Befragung könnten insbesondere auch keine Erkenntnisse gesichert werden, in welchem Ausmaß der Kläger am 8. Juli 2015 bei der Benutzung des Headsets einer Schalleinwirkung ausgesetzt gewesen sei.

34

Die Anerkennung eines Arbeitsunfalles setze unter anderem den mit Vollbeweis gesicherten Gesundheitserstschaden voraus. Die beim Kläger festgestellten Gesundheitsstörungen des Gehörs seien ihrer Art nach überwiegend untypisch für eine lärm– bzw. schallbedingte Hörstörung. Bei dem beim Kläger festgestellten Tinnitus handele es sich um ein Symptom, für das eine Vielzahl von Grunderkrankungen infrage komme, unter anderem auch solche, die auf Schalleinwirkungen zurückzuführen seien. Eine solche schall– bzw. lärmbedingte Grunderkrankung liege aber beim Kläger nachweislich nicht vor.

35

Die Ermittlungen der Abteilung Prävention hätten zweifelsfrei ergeben, dass die vom Kläger verwendete technische Ausrüstung (Headset, Callcenter, Telefonserver) konstruktionsbedingt nicht imstande sei, die nach aktuellem Stand der medizinischen Wissenschaft für eine Schädigung des Hörorgans auf akustischen Wege durch einmalige kurzzeitige Ereignisse erforderlichen Schallstärken zu erzeugen. Aufgrund dieser Faktenlage sei auch im Rahmen einer Zusammenhangsbegutachtung mit keiner abweichenden Beurteilung zu rechnen, da sich andernfalls der Gutachter über den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft hinwegsetzen müsste.

36

Sofern nunmehr erstmalig vorgetragen werde, dass die beim Kläger festgestellten Gesundheitsstörungen des Hörorgans Folge einer psychischen Beeindruckung durch das als überraschend wahrgenommene laute Geräusch im Headset gewesen seien, sei dem entgegenzuhalten, dass es dafür bisher an der psychiatrischen Diagnose einer entsprechenden Grunderkrankung fehle. Weiterhin sei auch wegen des fehlenden, zeitnah zum Ereignis vom 8. Juli 2015 aufgetretenen und gesicherten psychiatrisch–psychischen Gesundheitserstschadens die Zuordnung einer nachträglich festgestellten psychiatrisch–psychischen Erkrankung zu dem Ereignis nicht möglich. Derartige psychische Beeinträchtigungen oder Erkrankungen seien auch beim Kläger nicht diagnostiziert worden.

37

Der Senat hat den Beteiligten mit Schreiben vom 21. Februar 2018 und erneutem Schreiben vom 17. Januar 2019 mitgeteilt, dass er beabsichtige, über die Berufung gemäß § 153 Abs. 4 SGG durch Beschluss zu entscheiden und hat die Beteiligten gemäß § 153 Abs. 4 Satz 2 SGG entsprechend angehört.

38

Die Gerichtsakten (S 14 U 34/16 – L 5 U 19/17) sowie die Verwaltungsakten der Beklagten haben vorgelegen und sind Gegenstand der Entscheidung des Senats gewesen.

II.

39

Die zulässige Berufung des Klägers ist nicht begründet.

40

Der Senat hat von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, nach vorheriger Anhörung der Beteiligten gemäß § 153 Abs. 4 SGG die Berufung durch Beschluss zurückzuweisen, weil er sie einstimmig für unbegründet und eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich hält. Zu Recht hat das SG B-Stadt durch Urteil vom 22. Februar 2017 die Klage abgewiesen. Der angefochtene Bescheid der Beklagten vom 13. Oktober 2015 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 28. April 2016 ist rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten. Der Kläger hat am 8. Juli 2015 keinen Arbeitsunfall erlitten. Weder ein Hörsturz noch ein beiderseitiger Tinnitus noch die anlässlich des stationären Aufenthaltes im Juli 2015 diagnostizierte beidseitige Hochtonschwerhörigkeit stellen einen Gesundheitserstschaden dar, da es an der sogenannten haftungsbegründenden Kausalität fehlt.

41

Zu Recht ist das SG Stralsund davon ausgegangen, dass der Kläger bei dem Ereignis vom 8. Juli 2015 weder ein Knalltrauma noch ein akutes Lärmtrauma erlitten hat. Insoweit gehen sowohl das SG als auch die Beklagte zutreffend davon aus, dass die vom Hersteller der Headsets, der Firma GN N. durchgeführte Prüfung des Headsets BIZ 2400 DUO die für ein Knalltrauma erforderliche sehr starke Schalldruckwelle zwischen 160-180 dB nicht ergeben hat und auch nicht die für ein akutes Lärmtrauma erforderliche exzessiv hohe Schallstärke zwischen 130-160 dB, da sich nach den durchgeführten Messungen ein Maximum von 104 dB bzw. 109 dB ergab, was auch von der Technischen Aufsichtsperson Dipl.-Ing. F. vom Präventionsdienst der Beklagten als nicht ausreichend eingestuft wurde. Diese Beurteilung des Dipl.-Ing. F. ist nicht zu beanstanden, da sie der herrschenden wissenschaftlich–medizinischen Lehrmeinung entspricht, wie sie beispielsweise im Werk von Schönberger/Mehrtens/Valentin, Arbeitsunfall und Berufskrankheit, 9. Aufl., Seite 340,341 sowie 343 niedergelegt ist. Von daher spielt es für den vorliegenden Rechtsstreit keine Rolle, dass dem Kläger nach der Prüfung der Headsets durch den Hersteller wohl ein Headset vom Typ GN 2100 DUO Headset rückausgehändigt worden ist, wobei es sich hierbei um das Headset handeln dürfte, das ebenfalls vom ehemaligen Arbeitgeber des Klägers dem Hersteller zur Prüfung anlässlich eines akustischen Vorfalls eines anderen Mitarbeiters vom 22. Juni 2015 zur Verfügung gestellt wurde. Aus dem Evaluationsreport des Herstellers vom 31. August 2015 geht nämlich hervor, dass auch ein Headset BIZ 2400 DUO geprüft worden ist, mithin des Typs, den der Kläger als Callcenter-Agent auch benutzte. Soweit der Kläger darauf hingewiesen hat, dass womöglich nicht das Headset geprüft worden ist, welches er bei seinem akustischen Vorfall vom 8. Juli 2015 getragen hat, da die Inventarnummern unterschiedlich gewesen seien, spielt dies nach Ansicht des Senats keine Rolle. Nach der Auskunft des ehemaligen Arbeitgebers waren die Headsets mit den Inventarnummern 57042 und 57031 baugleich. Damit ist jedenfalls ein baugleiches Headset vom Hersteller geprüft worden, welches allerdings die technischen Parameter für die erforderlichen hohen Schallpegel für ein Knalltrauma oder ein akutes Lerntrauma nicht erfüllte. Aus den Stellungnahmen des Dipl.-Ing. F. geht vielmehr hervor, dass durch technische Vorkehrungen des vom Kläger verwendeten Headsettyps Spitzenschalldruckpegel von 160 dB nicht erreicht werden können. Ein akutes Lärmtrauma kann beim Kläger auch schon deshalb nicht vorgelegen haben, da dies exzessiv hohe Schallstärken über die Dauer einiger Minuten zwischen 130-160 dB voraussetzt, um zu einer ein– oder doppelseitigen akuten Schwerhörigkeit zu führen (vergl. Schönberger/Mehrtens/Valentin, a.a.O., Seite 343), wobei eine derart zeitliche Einwirkung (von Minuten) vorliegend auch nicht vorgelegen hat. Soweit der Kläger einen Defekt an dem von ihm genutzten Headset mutmaßt, hat sich hiermit Dipl.-Ing. F. in seiner Stellungnahme vom 12. Dezember 2016 auseinandergesetzt und im Ergebnis erneut darauf hingewiesen, dass bei dem Typ des Headsets, das der Kläger benutzt hat, keine Pegel möglich sind, die zu einem Knalltrauma führen könnten. Der Senat ist damit in Übereinstimmung mit der Auffassung des SG der Überzeugung, dass es naturwissenschaftlich ausgeschlossen ist, eine gesundheitliche Hörschädigung zu erleiden, die kausal auf eine Schalleinwirkung zurückzuführen ist, wenn die hierfür erforderlichen Schallpegel - wie vorliegend - nicht erreicht werden.

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Soweit im Berufungsverfahren nunmehr Gesundheitsstörungen des Klägers auf neuropsychiatrischem Fachgebiet als Folge des Ereignisses vom 8. Juli 2015 geltend gemacht werden, erachtet der Senat den Nachweis dafür schon als zweifelhaft, dass solche beim Kläger (im Wege des Vollbeweises) nachgewiesen sind; zumindest erscheint es als nicht wahrscheinlich, dass sie auf dem Ereignis vom 8. Juli 2015 beruhen. Soweit in der Epikrise vom 14. Juli 2015 des Sana-Krankenhauses Rügen unter anderem die Diagnose „chronisch rezidivierende Depressionen“ aufgeführt sind (worauf sie beruhen sollen, geht aus dem knapp gehaltenen Bericht nicht hervor), ist es schon aufgrund der gestellten Diagnose (chronisch und rezidivierend) nicht wahrscheinlich, dass Depressionen beim Kläger auf das Ereignis vom 8. Juli 2015 zurückzuführen sind. Dies legen jedenfalls die Ausführungen des DM S. in seinem Befundbericht vom  6. August 2015 nahe, der ausgeführt hat, dass sich der Kläger bei ihm bereits in der Zeit vom 15. Oktober 2013 bis 27. März 2014 in Behandlung befunden hat bei psycho-sozialer Konfliktlage damals bei beruflichem Überforderungssyndrom. Aufgrund der Vorstellung des Klägers bei ihm am 28. Juli 2015 wird eine Diagnose “Depression“ nicht aufgeführt, vielmehr heißt es, es habe sich kein Anhalt für ein Psychosyndrom gefunden. Soweit im Bericht des DM S. sich die Diagnose „Verunsicherungszustand und phobisches Meidungsverhalten nach Knalltrauma“ findet, könnten – das Vorliegen entsprechender Gesundheitsstörungen einmal unterstellt – diese Gesundheitsstörungen lediglich als mittelbare Unfallfolge Anerkennung finden, wenn ebenfalls unterstellt wird, dass sie im Gefolge des „Knalltraumas“ entstanden sind. Da aber weder die Voraussetzungen für ein stattgehabtes Knalltrauma noch für ein akutes Lärmtrauma vorlagen, weil bei dem Ereignis vom 8. Juli 2015 die hierfür erforderlichen hohen Schallpegel nicht erreicht wurden, scheidet die Anerkennung derartiger Gesundheitsstörungen auf dem neuropsychiatrischen Fachgebiet ebenfalls aus.

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Einer Vernehmung der vom Kläger benannten Zeugen bedarf es nicht. Diese können zu der Höhe der beim Ereignis vom 8. Juli 2015 auf die Ohren des Klägers eingewirkten Schallpegel keine verlässliche und belastbare Aussage machen. Der Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens bedurfte es ebenfalls nicht, da die entsprechenden technischen Voraussetzungen einer sehr starken Schalldruckwelle zwischen 160 und 180 dB, die für ein Knalltrauma erforderlich wären, um eine (ausschließliche) Innenohrschwerhörigkeit (gegebenenfalls einhergehend mit einem Tinnitus) hervorzurufen oder auch die exzessiv hohen Schallstärken zwischen 130-160 dB, die für ein akutes Lärmtrauma erforderlich wären, bei dem Ereignis vom 8. Juli 2015 nicht aufgetreten sind.

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Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 SGG.

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Der Senat hat die Revision nicht zugelassen, weil Gründe hierfür nicht ersichtlich sind (vergl. § 160 Abs. 2 SGG).