Dokumentansicht

Verordnung zur Arbeit an den Sportgymnasien#
Vom 10. August 2009
Fundstelle: GVOBl. M-V 2009, S. 483
Stand: letzte berücksichtigte Änderung: §§ 3, 8 geändert durch Verordnung vom 30. April 2014 (Mittl.bl. BM M-V S. 115 / GVOBl. M-V S. 266)
Fußnoten
#)
Verkündet im Mittl.bl. BM M-V vom 12. August 2009 S. 13
 

Aufgrund des § 19 Absatz 3 Satz 2, des § 69 Nummer 7, 12, 13 und des § 9 des Schulgesetzes vom 13. Februar 2006 (GVOBl. M-V S. 41), das zuletzt durch das Gesetz vom 16. Februar 2009 (GVOBl. M-V S. 241) geändert worden ist, verordnet das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur:

 

§ 1

Geltungsbereich

(1) Anerkannte Sportgymnasien sind überregionale Bildungseinrichtungen und haben im Verbundsystem Schule und Leistungssport eine besondere Bedeutung. Sie sind integrativer Bestandteil der Konzepte zur Sportförderung des Landes und des Bundes und somit ein wichtiger Teil der Bildungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Auf der Grundlage einer vertieften und breit angelegten sportlichen Ausbildung können Schüler dort ihre sportlichen Talente weiterentwickeln. Diese besondere Förderung soll es ihnen ermöglichen, Höchstleistungen zu erreichen.

(2) Sportgymnasien sollen als Ganztagsschulen ihr Schulprogramm so gestalten, dass die Unterrichts- und Trainingsstunden sinnvoll aufeinander abgestimmt werden können.

 

§ 2

Ziele der Arbeit

(1) Die Sportgymnasien arbeiten in den jeweiligen bildungsgangbezogenen Klassen nach den gleichen Rahmenplänen und Lernzielen wie andere Schulen dieser Bildungsgänge.

(2) Darüber hinaus haben sie die Aufgabe, sportlich besonders begabte Schüler durch eine optimale Verbindung von schulischer Bildung und sportlichem Training in ihrer individuellen Leistungsentwicklung zu fördern. Die Förderung dient der Stärkung der Teilbereiche, in denen die Schüler in besonderem Maße leistungsfähig sind und dem Abbau von Defiziten in anderen Bereichen.

(3) Um den Schülern eine umfassende Bildungs- und Sportlaufbahn zu ermöglichen, ist die besondere Förderung in Zusammenarbeit der Schule mit der zuständigen Schulbehörde, dem Landessportbund (Landesausschuss Leistungssport, Olympiastützpunkt Mecklenburg-Vorpommern) und seinen Fachverbänden sowie den ortsansässigen Vereinen zu gewährleisten.

 

§ 3

Aufnahme

(1) Die Schüler können ab der Jahrgangsstufe 5 in ein Sportgymnasium aufgenommen werden, wenn sie zuvor erfolgreich an einer Eignungsfeststellung gemäß Absatz 3 teilgenommen haben und ihr Leistungspotenzial sowie ihre Leistungsbereitschaft eine erfolgreiche Mitarbeit an der Schule erwarten lassen.

(2) Die Aufnahme von Schülern erfolgt immer zur Förderung spezieller sportlicher Fähigkeiten und Interessen.

(3) Die Aufnahme in das Sportgymnasium erfolgt sportartspezifisch auf der Grundlage der Sportarten mit Landesförderung. Die Aufnahmekriterien der Eignungsfeststellung sind insbesondere:

a)

die allgemeine sportliche Qualifikation,

b)

die sportartspezifische Eignungsempfehlung durch die Verbände und die Vereine auf der Grundlage sportartspezifischer Leistungsparameter und Erkenntnissen aus Sichtung und Wettkämpfen,

c)

der Gesundheitszustand, der durch eine sportmedizinische Untersuchung schriftlich nachzuweisen ist,

d)

das Betreiben einer Sportart, die zum Profil der Schule gehört.

Die Organisation sowie der Ablauf der Eignungsfeststellung werden nach Abstimmung mit der zuständigen Schulbehörde durch die Schule festgelegt.

(4) Die sportliche Eignung wird von einer Kommission festgestellt, die aus einem Vertreter der zuständigen Schulbehörde, dem Schulleiter, dem Sportkoordinator, einem Referenten der obersten Schulbehörde oder einem von ihm bestimmten Vertreter und einem beratenden Vertreter des Landessportbundes besteht. Der Vertreter der zuständigen Schulbehörde übernimmt den Vorsitz. Die Kommission stellt auf der Grundlage des Absatzes 3 fest, ob der Schüler die Aufnahmekriterien erfüllt oder nicht erfüllt.

(5) Die Entscheidung über die Aufnahme in die Jahrgangsstufe 5 wird den Erziehungsberechtigten durch die Schule spätestens bis zum letzten Arbeitstag des Monats Januar schriftlich mitgeteilt.

(6) Die Schüler können nur dann am Sportgymnasium aufgenommen werden, wenn die Erziehungsberechtigten die besonderen Ziele und Arbeitsweisen der Schule anerkannt haben.

(7) Bei einer Aufnahme von Schülern nach der Jahrgangsstufe 5 erfolgt eine Eignungsfeststellung auf der Grundlage der Aufnahmekriterien nach Absatz 3. Diese Kriterien sind der jeweiligen Jahrgangsstufe entsprechend anzuwenden. Über die Aufnahme entscheidet der Schulleiter.

 

§ 4

Bildungs- und Erziehungsprozess

(1) Das Sportgymnasium erarbeitet auf der Grundlage der Kontingentstundentafel eine spezifische schulinterne Stundentafel.

(2) Trainingslager, Wettkämpfe, Sportlehrgänge, die Teilnahme an landes- und bundesweiten Wettbewerben gehören unter anderem zum Unterricht an Sportgymnasien und sind in den Schulablauf zu integrieren. Die Sportgymnasien sind mit Zustimmung der zuständigen Schulbehörde berechtigt, im Rahmen der für sie vorgesehenen Regelungen in der für das jeweilige Schuljahr geltenden Ferienverordnung eine Abweichung von den allgemeinen Ferienzeiten in Anspruch zu nehmen.

(3) Förderunterricht wird im Rahmen der Möglichkeiten der Schule und auf der Grundlage der Verordnung zur Unterrichtsversorgung in der jeweils geltenden Fassung bedarfsweise für Schüler mit hoher sportlicher Belastung und längerer Abwesenheit vom Schulort angeboten.

(4) Der leistungsorientierte Unterricht in den Sportarten, die zum Profil der Schule gehören, ist trainingsbegleitend zu gestalten und kann bildungsgang- und jahrgangsstufenübergreifend ausgerichtet sein. Die Rahmenplanziele des allgemeinen Sportunterrichts sind innerhalb der sportlichen Gesamtausbildung umzusetzen.

(5) Neben der Schullaufbahnempfehlung in der Jahrgangsstufe 6 erhalten die Schüler zusätzlich eine Einschätzung der bisherigen sportlichen Entwicklung und der zu erwartenden Perspektive in Form eines Gutachtens. Die sportliche Entwicklung wird durch die Sportlehrer und Trainer festgestellt und in der Klassenkonferenz beraten.

 

§ 5

Unterrichtsorganisation und Personal

(1) Die durch die Schule festgelegten besonderen Formen der Unterrichtsorganisation werden auf der Grundlage der Unterrichtsversorgungsverordnung in der jeweils geltenden Fassung geplant.

(2) Bei der Auswahl der Lehrer im Fach Sport sind die Anforderungen im sportlich-praktischen und im pädagogisch-methodischen Bereich besonders zu berücksichtigen.

(3) Der Pflichtunterricht im Fach Sport ist von Sportlehrkräften der Schule durchzuführen.

(4) Neben den Sportlehrern der Schule kann die sportliche Zusatzausbildung nur von Sportfachkräften erteilt werden, die mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

-

Lehramt im Fach Sport,

-

Diplomsportlehrer,

-

Diplomtrainer,

-

abgeschlossenes Fachlehrerstudium mit dem Schwerpunkt Sport,

-

abgeschlossenes Hoch- oder Fachschulstudium und eine Trainer-A-Lizenz,

-

Abschluss als staatlich geprüfter Sport-, Turn- oder Gymnastiklehrer.

Über Ausnahmen entscheidet die zuständige Schulbehörde.

(5) Für die pädagogische Umsetzung des besonderen Schulprofils und für die Zusammenarbeit mit den Olympia- und Bundesstützpunkten sowie den Landesfachverbänden und Vereinen wird an der Schule ein Sportkoordinator eingesetzt. Der Sportkoordinator ist den Koordinatoren für schulfachliche Aufgaben gleichgestellt.

 

§ 6

Verlassen des Sportgymnasiums

Ein Schüler muss nach Entscheidung der Klassenkonferenz sowie nach Anhörung und Beratung der Erziehungsberechtigten das Sportgymnasium verlassen, wenn bei ihm im Rahmen der sportlichen Ausbildung mangelndes Leistungsniveau oder mangelnder Leistungswille festzustellen sind. Zur Vorbereitung dieser Entscheidung wird durch die Klassenkonferenz eine erneute Eignungsfeststellung gemäß § 3 Absatz 3 eingeholt. Kann der Schüler die entsprechenden Anforderungen nicht mehr erfüllen, erfolgt die Überweisung in eine andere Schule mit dem gleichen Bildungsgang.

 

§ 7

Sprachliche Gleichstellung

Soweit in dieser Verordnung Bezeichnungen, die für Frauen und Männer gelten, in der männlichen Sprachform verwendet werden, gelten diese Bezeichnungen für Frauen in der weiblichen Sprachform.

 

§ 8

Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt mit Wirkung vom 2. August 2009 in Kraft.

Schwerin, den 10. August 2009

Der Minister für Bildung,
Wissenschaft und Kultur
Henry Tesch