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Verordnung über die Durchführung von Prüfungen zum Erwerb der Mittleren Reife
(Mittlere-Reife-Verordnung - MittReifVO M-V)
Vom 14. Juli 2013
Fundstelle: GVOBl. M-V 2013, S. 474, 599, 655
Stand: letzte berücksichtigte Änderung: §§ 4, 11 geändert durch Verordnung vom 12. Juni 2014 (GVOBl. M-V S. 419/Mitt.bl. BM M-V S. 200 ber. GVOBl. M-V S: 513/Mitt.bl. BM M-V S. 413)
 

Aufgrund des § 69 Nummer 6 des Schulgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. September 2010 (GVOBl. M-V S. 462; 2011 S. 859; 2012 S. 524), das zuletzt durch das Gesetz vom 13. Dezember 2012 (GVOBl. M-V S. 555) geändert worden ist, verordnet das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur:

 

§ 1

Ziel der Prüfung

In der Prüfung sollen die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer Umfang, Tiefe und Anwendungsvermögen ihrer erworbenen Kenntnisse nachweisen. Dabei ist ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen und Stärken einzubringen sowie eigene Verantwortung und Selbstständigkeit in dieser Bewährungs- und Anforderungssituation nachzuweisen. Die Prüfung ist so zu gestalten, dass sie als pädagogisches Mittel motivierend und stimulierend auf die Schülerinnen und Schüler wirkt.

 

§ 2

Teilnahme

(1) Alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 der nichtgymnasialen Bildungsgänge sind berechtigt, an der Prüfung zum Erwerb der Mittleren Reife teilzunehmen. Sie treffen ihre Entscheidung über die Teilnahme nach intensiver Beratung gemäß § 7 Absatz 1 in Abstimmung mit den Erziehungsberechtigten.

(2) Schülerinnen und Schüler, die nicht an der Abschlussprüfung teilnehmen, können die Jahrgangsstufe 10 im folgenden Schuljahr wiederholen oder werden, sofern die Voraussetzungen gemäß § 56 Absatz 2 des Schulgesetzes gegeben sind, aus der allgemein bildenden Schule entlassen.

 

§ 3

Zeitpunkt der Prüfung

Die Prüfung zur Erlangung der Mittleren Reife findet zum Ende der Jahrgangsstufe 10 statt. Die Termine für die schriftliche Prüfung und der Zeitraum für die mündlichen Prüfungen werden durch die oberste Schulbehörde bekannt gegeben.

 

§ 4

Gegenstand und Umfang der Prüfung

(1) Grundlage für den Inhalt der Prüfung sind die Anforderungen der Rahmenpläne, der schulinternen Lehrpläne sowie die entsprechenden Hinweise der obersten Schulbehörde.

(2) Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

(3) Die schriftliche Prüfung erfolgt in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Die Prüfungsaufgaben sowie verbindliche Vorgaben und Hinweise zur Aufgabenstellung, zu den inhaltlichen Schwerpunkten und zur Bewertung werden dabei landeseinheitlich zentral herausgegeben.

(4) Im Fach Deutsch werden zwei bis vier Aufsatzthemen zur Wahl gestellt, von denen die Schülerinnen und Schüler eines zu bearbeiten haben.

(5) Im Fach Mathematik wird eine Arbeit, bestehend aus Pflicht- und Wahlteil, zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Pflichtaufgaben wird so gestellt, dass er ohne Taschenrechner und ohne Tafelwerk zu lösen ist.

(6) In der Fremdsprache werden die kommunikativen Kenntnisse in einem kombinierten Hörverstehens- und Leseverstehenstest überprüft, der die schriftliche Textproduktion einschließt.

(7) Die mündliche Prüfung erfolgt verpflichtend in zwei Fächern der Jahrgangsstufe 10, mit Ausnahme der Fächer der schriftlichen Prüfung und des Wahlpflichtunterrichts. Grundlage der ersten mündlichen Pflichtprüfung ist die Jahresarbeit. Die Schülerin oder der Schüler wählt in den ersten acht Schulwochen der Jahrgangsstufe 10 in einem Fach der Jahrgangsstufe 10 ihrer oder seiner Wahl, mit Ausnahme der Fächer der schriftlichen Prüfung und des Wahlpflichtunterrichts, ein Thema für die Jahresarbeit, das fächerübergreifend und praxisorientiert angelegt sein kann. Die betreuende Fachlehrkraft berät die Schülerin oder den Schüler bei der Themenwahl und beim Erstellen der Arbeit. Für die Anfertigung haben die Schülerinnen und Schüler bis zu drei Wochen nach den Winterferien Zeit. Die Jahresarbeit wird nicht auf dem Zeugnis vermerkt. In der mündlichen Prüfung erhält die Schülerin oder der Schüler bis zu drei Wochen nach den Winterferien Zeit. Die Jahresarbeit wird nicht auf dem Zeugnis vermerkt. In der mündlichen Prüfung erhält die Schülerin oder der Schüler die Aufgabe, die Ergebnisse der Jahresarbeit zu präsentieren und zu verteidigen. Das Fach der zweiten mündlichen Pflichtprüfung wählt die Schülerin oder der Schüler nach Beratung durch die Fachlehrkraft durch einen schriftlichen Antrag bis zu einem von der oder dem Vorsitzenden der Prüfungskommission festgesetzten Termin.

(8) Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer freiwilligen mündlichen Prüfung in einem schriftlichen Prüfungsfach oder einem bisher nicht geprüften Fach. Für diese freiwillige mündliche Prüfung legt die Schülerin oder der Schüler einen schriftlichen Antrag bis zu einem von der oder dem Vorsitzenden der Prüfungskommission festgesetzten Termin vor.

(9) Erfolgt eine Prüfung im Fach Sport, sind mindestens zwei verschiedene Sportarten, darunter eine Individualsportart, praxisbezogen zu prüfen. Theorieanteile in den geprüften Sportarten sollen zur Festlegung der Prüfungsnote einfließen.

(10) Erfolgt eine Prüfung in den Fächern Musik, Kunst oder Arbeit-Wirtschaft-Technik und Informatik, müssen praxisbezogene Aufgaben enthalten sein. In den Fächern Biologie, Chemie und Physik sollen Experimente Teil der Prüfung sein.

 

§ 5

Prüfungskommission

(1) Für die Durchführung der Prüfung wird an jeder Schule, an der die Prüfung abgenommen wird, eine Prüfungskommission durch die Schulleiterin oder den Schulleiter berufen, die oder der zugleich den stimmberechtigten Vorsitz wahrnimmt. Die oder der Vorsitzende beruft als stimmberechtigte Mitglieder der Prüfungskommission alle im Prüfungsjahrgang unterrichtenden Lehrkräfte. Sie oder er kann weitere Lehrkräfte in die Prüfungskommission berufen.

(2) Die Prüfungskommission hat insbesondere die Aufgaben:

1.

den Gesamtablauf der Prüfung festzulegen und ihre Durchführung in einer Form zu sichern, die dem Ziel der Prüfung entspricht,

2.

die Vergleichbarkeit und die Angemessenheit der Maßstäbe für die Bewertung der Leistungen zu sichern,

3.

Maßnahmen festzulegen, die die Geheimhaltung der Prüfungsaufgaben sowie die Schweigepflicht über den Inhalt und den Verlauf aller mit der Prüfung in Verbindung stehenden Beratungen zu sichern,

4.

mündliche Prüfungen anzusetzen und die entsprechenden Aufgaben zu genehmigen,

5.

Nachteilsausgleiche für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen auf Antrag im Zuge einer Einzelfallentscheidung zu gewähren,

6.

die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Erziehungsberechtigten rechtzeitig über die Struktur und den Ablauf der Prüfung zu unterrichten sowie

7.

Entscheidungen bei Verstößen gegen die Prüfungsbestimmungen und bei Beschwerden zu treffen.

(3) Die Prüfungskommission beschließt mit der Mehrheit ihrer Mitglieder, Stimmenthaltung ist nicht zulässig. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der oder des Vorsitzenden.

(4) Die Entscheidung der Prüfungskommission und der Fachprüfungsausschüsse hat die oder der Vorsitzende bei Verstößen gegen Rechts- und Verwaltungsvorschriften oder Anordnungen der Schulbehörde unverzüglich zu beanstanden. Die Beanstandung ist zu begründen und hat aufschiebende Wirkung. Hilft die Kommission oder der betreffende Ausschuss der Beanstandung nicht ab, entscheidet unverzüglich die zuständige untere Schulbehörde.

(5) Bei Zweifeln, ob ein Mitglied von der Mitwirkung in der Prüfungskommission aufgrund von § 20 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes ausgeschlossen ist oder bei der Besorgnis der Befangenheit im Sinne von § 21 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes, entscheidet die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission. Ist sie oder er selbst betroffen, entscheidet die zuständige untere Schulbehörde. Wird das betreffende Mitglied von der Mitwirkung entbunden, ist ein neues Mitglied zu berufen. Die Mitglieder der Prüfungskommission haben entsprechende Tatsachen unaufgefordert mitzuteilen.

 

§ 6

Fachprüfungsausschüsse

(1) Für jedes Prüfungsfach wird durch die Vorsitzende oder den Vorsitzenden der Prüfungskommission ein Fachprüfungsausschuss berufen, der grundsätzlich aus zwei stimmberechtigten Mitgliedern besteht.

Die Fachprüfungsausschüsse gewährleisten die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfungen in den einzelnen Fächern.

(2) Die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission beruft als stimmberechtigte Mitglieder jedes Fachprüfungsausschusses

1.

die prüfende Fachlehrkraft und

2.

eine weitere Lehrkraft, die den Prüfungsvorsitz übernimmt und nach Möglichkeit auch Lehrkraft des jeweiligen Faches sein soll.

Die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission hat in begründeten Ausnahmefällen das Recht, einem oder mehreren Fachprüfungsausschüssen als weiteres stimmberechtigtes Mitglied anzugehören, sofern hierdurch kein Unterricht ausfällt.

 

§ 7

Vorbereitung und Durchführung der Prüfung

(1) Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer sowie Fachlehrerinnen und Fachlehrer beraten Schülerinnen und Schüler und Erziehungsberechtigte umfassend

-

über Erfolgschancen bei Prüfungsteilnahme und

-

bei der Wahl der mündlichen Prüfungsfächer.

(2) Die Organisationspläne für den Ablauf der schriftlichen und der mündlichen Prüfung sind den Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmern rechtzeitig vor Beginn der Prüfung bekannt zu geben.

(3) Mit Bekanntgabe des Organisationsplanes der mündlichen Prüfung endet der planmäßige Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich in der Schule auf die kommenden Prüfungen vor. Die Schule stellt dafür die erforderlichen personellen und fachlichen Mittel zur Verfügung.

(4) In allen Prüfungen dürfen nur die in den fachbezogenen Hinweisen zur Prüfung angegebenen Hilfsmittel verwendet werden.

(5) Vor Beginn der Prüfungen sind die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer und ihre Erziehungsberechtigten auf die Bestimmungen des § 67 Absatz 3 und 4 des Schulgesetzes hinzuweisen.

(6) Die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer sind vor Beginn jeder Prüfung zu befragen, ob sie sich gesundheitlich gemäß § 15 Absatz 2 im Stande fühlen, an der Prüfung teilzunehmen.

(7) Die schriftlichen Prüfungsaufgaben sind in einem verschlossenen Umschlag sicher aufzubewahren. Die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission öffnet diesen Umschlag eine Stunde vor Prüfungsbeginn im Beisein eines Mitgliedes des jeweiligen Fachprüfungsausschusses.

(8) Die schriftlichen Prüfungen beginnen für alle Schulen an allen Prüfungstagen um 8.00 Uhr. Der Beginn der mündlichen Prüfungen wird von der Schulleitung festgelegt.

(9) Die Aufgaben für die mündlichen Fächer werden von den Fachprüfungsausschüssen in eigener Zuständigkeit erarbeitet. Die Aufgaben einschließlich Erwartungsbild und Bewertungsmaßstab sind der Schulleitung spätestens vier Wochen vor Beginn der Prüfung zur Genehmigung vorzulegen. Die Genehmigungen sind schriftlich zu erteilen.

(10) Für die schriftlichen und mündlichen Prüfungen sind Papier mit Schulstempel sowie notwendige Materialien und Hilfsmittel durch die Schule bereitzustellen.

(11) Zwei Wochen vor Beginn der mündlichen Prüfungen sind für alle Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer die Jahresnoten für alle Fächer als Dezimalwert mit einer Stelle hinter dem Komma zu ermitteln. Beträgt die zweite Stelle hinter dem Komma null bis vier, so wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet. Die Jahresnoten sind in die Notenlisten einzutragen und den Prüflingen bekannt zu geben.

(12) Jahresnoten, die an einer Integrierten Gesamtschule in Kursen der gymnasialen Anspruchsebene erreicht wurden, werden durch Aufwertung um eine Notenstufe auf das Bewertungsniveau der Jahrgangsstufe 10 der Regionalen Schule umgerechnet.

(13) Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung sind Schülerinnen und Schülern zum gleichen Zeitpunkt wie im Absatz 11 bekannt zu geben. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich mit Ausnahme der Prüfung gemäß § 4 Absatz 7 Satz 2 und 3 anschließend in Absprache mit den Erziehungsberechtigten, spätestens nach Ablauf von zwei Unterrichtstagen, in welchen Fächern sie mündlich geprüft werden möchten. Ihre schriftliche Entscheidung wird zu den Prüfungsunterlagen genommen.

 

§ 8

Schriftliche Prüfungen

(1) Der schriftlichen Prüfung in drei Fächern haben sich alle Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer zu unterziehen.

(2) Während der Prüfung führen mindestens eine, höchstens zwei Lehrkräfte Aufsicht. Die Schülerinnen und Schüler dürfen den Prüfungsraum während der Prüfung nur einzeln mit Erlaubnis der Aufsicht führenden Lehrkraft verlassen.

(3) Die schriftlichen Prüfungen dauern mindestens drei, höchstens vier Zeitstunden.

(4) Über die Durchführung jeder schriftlichen Prüfung ist ein Protokoll anzufertigen.

(5) Alle Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer erhalten die Möglichkeit der Einsichtnahme in ihre Prüfungsergebnisse.

 

§ 9

Mündliche Prüfungen

(1) Die mündlichen Prüfungen dauern mindestens 15 und höchstens 30 Minuten.

(2) Alle Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer werden einzeln geprüft. Andere Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer dürfen sich nicht im Prüfungsraum aufhalten.

(3) Die mündliche Prüfung nimmt der Fachprüfungsausschuss ab. Er gibt die Prüfungsaufgabe für die jeweilige Schülerin oder den jeweiligen Schüler vor. Die prüfende Fachlehrerin oder der prüfende Fachlehrer legt der Prüfungsteilnehmerin oder dem Prüfungsteilnehmer die Aufgabe schriftlich vor.

(4) Für die unmittelbare Vorbereitung auf die Prüfung sind den Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmern 20 Minuten Zeit zu gewähren. Die Prüfungsteilnehmerin und der Prüfungsteilnehmer bereiten sich unter Aufsicht einer Lehrkraft vor. Sie oder er darf sich Aufzeichnungen für ihre oder seine Ausführungen machen. In den musisch-künstlerischen Fächern, im Fach Sport oder bei Experimenten, die zur Lösung der Prüfungsaufgaben erforderlich sind, kann die Vorbereitungszeit um höchstens 15 Minuten verlängert werden.

(5) In der mündlichen Prüfung erhalten die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer Gelegenheit, inhaltliche, kommunikative und sprachliche Kompetenzen nachzuweisen. Dazu wird die gestellte Aufgabe durch sie sowohl im freien Vortrag als auch im Prüfungsgespräch gelöst. Die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer dürfen ihre während der Vorbereitungszeit gefertigten Aufzeichnungen benutzen, die Bestandteil der Prüfungsunterlagen werden.

(6) Über die mündliche Prüfung ist von einem Mitglied des Fachprüfungsausschusses ein Protokoll anzufertigen, aus dem die Leistungsbewertung ersichtlich und nachvollziehbar ist.

 

§ 10

Bewertung in den Prüfungsfächern

(1) Alle schriftlichen Prüfungsarbeiten sind von der unterrichtenden Fachlehrerin oder dem unterrichtenden Fachlehrer durchzusehen und zu bewerten. In Zweifelsfällen und bei Bewertung einer Prüfungsarbeit mit der Note „ungenügend“ wird sie einer oder einem von der oder dem Vorsitzenden der Prüfungskommission bestimmten Zweitkorrektorin oder Zweitkorrektor zur Bewertung vorgelegt. Bei Differenzen in der Bewertung von Erst- und Zweitkorrektur entscheidet die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission.

(2) Nach jeder mündlichen Prüfung setzt die oder der Vorsitzende des Fachprüfungsausschusses nach Beratung mit der prüfenden Fachlehrkraft die Note für die mündliche Prüfung fest. Sie wird in das Prüfungsprotokoll und in die Notenliste eingetragen und der Prüfungsteilnehmerin oder dem Prüfungsteilnehmer mitgeteilt.

 

§ 11

Prüfungsergebnis

(1) Bei der Berechnung der Endnoten wird in den Fächern ohne Prüfung aus der dezimal ermittelten Jahresnote durch Rundung eine Endnote als Note gemäß § 62 Absatz 4 des Schulgesetzes ermittelt. Beträgt die Stelle nach dem Komma null bis vier, wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet.

(2) In den Fächern mit einer schriftlichen Prüfung wird die Endnote zu 60 Prozent aus der dezimal ermittelten Jahresnote und zu 40 Prozent aus der Prüfungsnote ermittelt. Beträgt die Stelle nach dem Komma null bis vier, wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet.

(3) In dem Fach mit einer verpflichtenden mündlichen Prüfung wird die Endnote zu 70 Prozent aus der dezimal ermittelten Jahresnote und zu 30 Prozent aus der mündlichen Prüfungsnote ermittelt; in dem Fach, in dem die Jahresarbeit geschrieben wurde, wird die Endnote zu 70 Prozent aus der dezimal ermittelten Jahresnote, zu 15 Prozent aus der Note der Jahresarbeit und zu 15 Prozent aus der mündlichen Prüfungsnote ermittelt. In dem Fach mit einer freiwilligen mündlichen Prüfung wird die Endnote zu 80 Prozent aus der dezimal ermittelten Jahresnote und zu 20 Prozent aus der mündlichen Prüfungsnote ermittelt. Beträgt die Stelle nach dem Komma null bis vier, wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet.

(4) In dem Fach mit schriftlicher und freiwilliger mündlicher Prüfung wird die Endnote zu 50 Prozent aus der dezimal ermittelten Jahresnote, zu 30 Prozent aus der schriftlichen Prüfungsnote und zu 20 Prozent aus der mündlichen Prüfungsnote ermittelt. Beträgt die Stelle nach dem Komma null bis vier, wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet.

(5) Die Prüfung ist bestanden, wenn in allen Prüfungsfächern Endnoten erzielt werden, die mindestens „ausreichend“ sind.

(6) Die Prüfung ist auch bestanden, wenn bei sonst mindestens ausreichenden Leistungen ein Fach mit „mangelhaft“ abgeschlossen wurde und die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer gemäß § 9 der Verordnung über die Versetzung, Kurseinstufung und den Wechsel des Bildungsganges sowie über die Berufsreife an den allgemein bildenden Schulen diese Note ausgleichen können.

 

§ 12

Erwerb des Gesamtprädikats der Mittleren Reife

(1) Aus den Endnoten aller Fächer der Jahrgangsstufe 10 wird der Durchschnittswert errechnet. Dabei werden die Endnoten der Fächer Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache zweifach gewichtet. Dieser Quotient mit einer Stelle nach dem Komma bestimmt das Gesamtprädikat. Die Stelle nach dem Komma wird durch Rundung ermittelt. Beträgt die zweite Stelle nach dem Komma null bis vier, wird abgerundet. Beträgt sie fünf bis neun, wird aufgerundet. Das Gesamtprädikat wird nach folgendem Schlüssel vergeben:

von 1,0 bis 1,2

„sehr gut - mit Auszeichnung“,

von 1,3 bis 1,4

„sehr gut“,

von 1,5 bis 2,4

„gut“,

von 2,5 bis 3,4

„befriedigend“,

von 3,5 bis 4,0

„bestanden“.

(2) Die Prüfungsteilnehmerin oder der Prüfungsteilnehmer erhält die Mittlere Reife, wenn sie oder er mindestens das Gesamtprädikat „bestanden“ erreicht hat.

(3) Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer, die mindestens das Gesamtprädikat „befriedigend“ erhalten, sind berechtigt, in die dreijährige gymnasiale Oberstufe überzugehen.

 

§ 13

Zeugnis

(1) Jede Prüfungsteilnehmerin oder jeder Prüfungsteilnehmer, die oder der die Prüfung bestanden hat und die Mittlere Reife erhält, bekommt ein Abschlusszeugnis.

(2) Schülerinnen und Schüler, die die Prüfung nicht bestanden oder an der Prüfung nicht teilgenommen haben, erhalten ein Jahreszeugnis oder ein Abgangszeugnis.

(3) Schülerinnen und Schüler, die an der Nachprüfung gemäß § 15 Absatz 1 und 2 aus von ihnen zu vertretenden Gründen nicht teilnehmen, verlassen die Schule und erhalten ein Abgangszeugnis.

(4) Mit der Aushändigung eines Zeugnisses erhalten die Schülerinnen und Schüler eine schriftliche Rechtsbehelfsbelehrung.

 

§ 14

Aufbewahrung der Prüfungsunterlagen

Die Prüfungsunterlagen verbleiben in der Schule. Die Bestimmungen des Datenschutzes gemäß § 6 der Schuldatenschutzverordnung sind zu beachten. Die Dauer der Aufbewahrung wird gesondert geregelt.

 

§ 15

Nichtantreten und Rücktritt von der Prüfung

(1) Wer ohne wichtigen Grund zur Prüfung nicht antritt oder nur teilweise teilnimmt, hat die Prüfung nicht bestanden. Über das Vorliegen eines wichtigen Grundes entscheidet sowohl bei der schriftlichen als auch bei der mündlichen Prüfung die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission. Der wichtige Grund ist der Schule unverzüglich mitzuteilen.

(2) Als wichtiger Grund gilt insbesondere Krankheit. Auf Verlangen ist ein ärztliches oder amtsärztliches Zeugnis vorzulegen. Wer sich in Kenntnis einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder eines anderen wichtigen Grundes der Prüfung unterzogen hat, kann diese Gründe nachträglich nicht mehr geltend machen. Der Kenntnis steht die fahrlässige Unkenntnis gleich. Fahrlässige Unkenntnis liegt insbesondere dann vor, wenn bei Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht unverzüglich eine Klärung herbeigeführt wurde.

(3) Sofern ein wichtiger Grund vorliegt, gilt die Prüfung als nicht unternommen.

(4) Vor Beginn der Prüfung sind die Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer sowie die Erziehungsberechtigten auf diese Bestimmungen hinzuweisen.

 

§ 16

Nachprüfung

(1) Das Nachholen von Prüfungen ist Schülerinnen und Schülern möglich, die aus gesundheitlichen oder anderen von ihnen nicht zu vertretenden Gründen an der Prüfung oder an einem Teil der Prüfung nicht teilnehmen konnten. Die Nachprüfung ist vor Beginn des nächsten Schuljahres abzuschließen. Ist das wegen Krankheit der Schülerin oder des Schülers nicht möglich, ist der Abschlusstermin der Nachprüfung bis zum Ende des Kalenderjahres durch die untere Schulbehörde zu verlängern.

(2) Schülerinnen und Schüler, die zusammenhängend mehr als vier Wochen im Schuljahr den Unterricht versäumt haben, aber zum Zeitpunkt der Prüfung gesund sind, können auf Antrag der volljährigen Schülerin oder des volljährigen Schülers oder der Erziehungsberechtigten von der Prüfung zurückgestellt und erst vor Beginn des Unterrichts im nächsten Schuljahr geprüft werden.

(3) Die Aufgaben für die schriftlichen Nachprüfungen werden, wenn keine zentrale Vorgabe erfolgt, durch die Fachlehrerinnen und Fachlehrer der Schule erstellt. Für die Fächer Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache bedürfen sie der Genehmigung der unteren Schulbehörde.

(4) Anträge auf Nachprüfungen sind der Prüfungskommission zur Genehmigung vorzulegen. Sie werden Bestandteil der Prüfungsunterlagen.

(5) Schülerinnen und Schüler, die die Nachprüfung nicht ablegen konnten, haben die Möglichkeit, die Jahrgangsstufe 10 einmal zu wiederholen.

 

§ 17

Wiederholungsprüfung

Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer, die die Prüfung nicht bestanden haben, können die Jahrgangsstufe 10 einmal wiederholen und nehmen dann erneut an der Abschlussprüfung teil.

 

§ 18

Sonderregelungen für Schülerinnen und Schüler mit
sonderpädagogischem Förderbedarf

(1) Die Prüfungen zur Erlangung der Mittleren Reife für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Sehen, Hören sowie körperliche und motorische Entwicklung an Förderschulen werden nach den Bestimmungen dieser Verordnung durchgeführt. Im gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf sowie mit anerkannten Teilleistungsstörungen an allgemein bildenden Schulen erfolgen die Abstimmungen über begründete Abweichungen von den Regelungen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sonderpädagogischen Förderzentrum.

(2) Die Aufgaben der mündlichen und schriftlichen Prüfungen sind in einer Form zu gestalten, die Rücksicht auf den jeweiligen Förderschwerpunkt und den festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf nimmt. Über die Verwendung förderschwerpunktspezifischer Hilfsmittel entscheidet die Schule in Abstimmung mit dem zuständigen Sonderpädagogischen Förderzentrum. Diese Festlegung ist in den Prüfungsunterlagen festzuhalten.

(3) Die oder der Vorsitzende der Prüfungskommission kann in Abstimmung mit der unteren Schulbehörde auf Antrag angemessene Nachteilsausgleiche für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Teilleistungsstörungen im Zuge von Einzelfallentscheidungen zulassen, sofern dieser Nachteilsausgleich bis zum Beginn der Prüfungen erfolgen musste.

(4) Die mündlichen Prüfungen dauern mindestens 15 und höchstens 30 Minuten. Sie sollen einschließlich der Bewertung und Verkündung der Prüfungsergebnisse die Dauer von 45 Minuten nicht überschreiten. Die Zeiten für die schriftlichen Prüfungen können von der Schule in begründeten Einzelfällen individuell festgelegt werden. Diese Festlegung ist in den Prüfungsunterlagen festzuhalten.

 

§ 19

Inkrafttreten, Außerkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. August 2013 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung über die Durchführung von Prüfungen zum Erwerb der Mittleren Reife vom 17. Juni 2004 (GVOBl. M-V S. 440), die zuletzt durch die Verordnung vom 11. Dezember 2012 (GVOBl. M-V 2013 S. 126) geändert worden ist, außer Kraft.

Schwerin, den 14. Juli 2013

Der Minister für Bildung,
Wissenschaft und Kultur
Mathias Brodkorb