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Schutz, Pflege und Neuanpflanzung von Feldhecken
in Mecklenburg-Vorpommern



Gemeinsamer Erlass des Umweltministeriums
und des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei

Vom 20. Dezember 2001 – X 200 c und VI 420-1 –



Fundstelle: AmtsBl. M-V 2002 S. 129





Feldhecken erfüllen vielfältige Funktionen im Natur- und Landschaftsschutz, im Klima- und Bodenschutz sowie für die Hege von Niederwild. Sie sind auch wesentliche Elemente der historisch gewachsenen Kulturlandschaft sowie der Landbewirtschaftung. Ihre Zahl und ihr Umfang haben sich in der Vergangenheit stark verringert. Geboten sind daher der nachhaltige Schutz und die Pflege der noch vorhandenen Feldhecken wie auch die Neuanpflanzung auf geeigneten Flächen, insbesondere in allen durch Winderosion gefährdeten Gebieten.





I.
Dieser Erlass ergeht vor allem an die Naturschutzbehörden und an die Ämter für Landwirtschaft mit dem Ziel der Schaffung von Rechtssicherheit für die Eigentümer oder Pächter bei der Bewirtschaftung von Feldhecken, insbesondere für:
 
• Regelungen zum Schutz und zur Pflege bestehender, dem gesetzlichen Biotopschutz unterfallender Feldhecken aus naturschutzfachlichen, landschaftsgestalterischen und kulturhistorischen Gründen sowie zur Ertragssicherung durch Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen vor Winderosion und Frühjahrstrockenheit,
 
• Regelungen zur Neuanpflanzung und Pflege naturnaher Feldhecken,
 
• Anregungen zur Vernetzung von Biotopen,
 
• Regelung von Nutzungsausfällen bei alten Heckenstrukturen auf benachbarten Grundstücken landwirtschaftlicher Nutzflächen,
 
• Festlegungen zur Umgestaltung von Windschutzpflanzungen.
Der Erlass betrifft alle Feldhecken auf öffentlichen und privaten Grundstücken in Mecklenburg-Vorpommern. Die Pflege obliegt dem Eigentümer oder dem Nutzungsberechtigten und kann im Einzelfall einer Ausnahme nach § 20 Abs. 3 des Landesnaturschutzgesetzes Mecklenburg-Vorpommern (LNatG M-V) in der Fassung vom 21. Juli 1998 (GVOBl. M-V S. 647) bedürfen. Die Pflege sollte daher vor Beginn der Maßnahme bei der zuständigen Naturschutzbehörde angezeigt werden. Die Regelungen im Sinne von § 20 Abs. 1 LNatG M-V bleiben davon unberührt. Insbesondere die Naturschutzbehörden haben im Rahmen ihrer Beratungs- und Aufsichtspflicht im Vollzug des Naturschutzrechts die folgenden Grundsätze unter Beachtung besonderer Regelungen in Schutzgebietsverordnungen, Verordnungen bzw. Satzungen über geschützte Landschaftsbestandteile, Naturdenkmalverordnungen oder Baumschutzverordnungen bzw. -satzungen zu kontrollieren.
Bei Einhaltung der in diesem Erlass gegebenen Anleitungen ist die Erstellung eines Heckenpflegeplanes nicht zu empfehlen.




II.


1.
Feldhecken im Sinne von § 20 Abs. 1 Ziffer 4 LNatG M-V in Verbindung mit Anlage 1 Ziffer 4.4 „Naturnahe Feldhecken“ sind lineare, vorwiegend aus Sträuchern aufgebaute Gehölze in der freien Landschaft, die niederwaldähnlich oder mittelwaldähnlich bewirtschaftet wurden oder werden. Darunter ist beispielsweise ein in regelmäßigen Abständen durchgeführtes „Auf-den-Stock-Setzen“ der Sträucher und/oder Bäume zu verstehen. Krautsäume und abgelagerte Lesesteinhaufen sind Bestandteil der Feldhecke.


2.
Sonderformen der Feldhecke sind beispielsweise Wallhecken (Knicks und Redder), Steinfurchenhecken und Lesesteinhecken.


3.
-
3.1 Baumreihe
Nicht als Feldhecken gelten lineare Strukturen aus Nadelgehölzen und Baumreihen aus Laubbäumen mit Sträuchern im Zwischen- und Unterstand. Bei Letzteren handelt es sich um etwa gleichaltrige und vom Erscheinungsbild her gleichartige Bäume, die in einem gleichmäßigen Abstand innerhalb der Reihe gepflanzt wurden.
Auf Baumreihen ist nach § 14 Abs. 2 Ziffer 8 LNatG M-V die Eingriffsregelung anzuwenden, sofern sie nicht nach § 27 Abs. 1 LNatG M-V geschützt sind.
-
3.2 Windschutzpflanzungen (davon unberührt bleibt Ziffer VI dieses Erlasses)
Monotone, strukturarme, lineare Anpflanzungen, die durch einen hohen Anteil an nicht einheimischen Baum- und Straucharten gekennzeichnet sind.
-
3.3 Wald im Sinne von § 2 des Landeswaldgesetzes sowie sonstige Flurgehölze
Der Waldbegriff ist gemäß Erlass „Nähere Definition von Wald nach § 2 LWaldG M-V“ des Ministeriums für Landwirtschaft und Naturschutz vom 4. September 1997 anzuwenden.




III.


1.
Ziel der Heckenpflege ist die dauerhafte Erhaltung einschließlich der heckenbegleitenden Strukturen sowie die Nachpflanzung und Neuanpflanzung von Feldhecken. Da Feldhecken dauerhafte Landschaftselemente sind, müssen Pflegemaßnahmen zur Erhaltung von Heckensystemen über einen mehrjährigen Zeitraum erfolgen. Dies soll mit vegetationskundlichem Sachverstand, der mit einem landwirtschaftlichen oder vergleichbarem Berufsabschluss in der Regel gegeben ist, geschehen.


2.
2.1
Das „Auf-den-Stock-Setzen“ ist in regelmäßigen Abständen (alle zehn bis 15 Jahre) und in einer Höhe von 0,2 m bei Baum- und Straucharten mit einem ausreichenden Regenerationsvermögen in einem noch ausschlagfähigen Alter durchzuführen. Grundsätzlich dürfen nicht mehr als ein Drittel einer Hecke in einem Jahr auf den Stock gesetzt werden. Dabei sind Bäume in einem Abstand von mindestens 50 m als Überhälter zu erhalten; bei kürzeren Heckenabschnitten vor allem an den Heckenenden.
Überwiegt die Anzahl von Trieben mit mehr als 30 cm Umfang in 0,5 m Höhe, soll ein „Auf-den-Stock-Setzen“ unterbleiben, weil von einer geringen Ausschlagfähigkeit auszugehen ist. Das „Auf-den-Stock-Setzen“ darf nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 14. März erfolgen.
Alle Arbeiten an den Gehölzen sind unter Einhaltung der jeweils gültigen Fassung der ZTV – Baumpflege
1 auszuführen.
2.2
Das Plentern (= Herunterschneiden einzelner Gehölze) kommt dann in Betracht, wenn ein „Auf-den-Stock-Setzen“ nicht sinnvoll ist. Landschaftsprägende Elemente der Feldhecke sind zu belassen.
Überhälter dürfen nur gefällt werden, wenn für das Nachwachsen neuer Überhälter gesorgt ist, z. B. durch Nachanpflanzung von Bäumen (mindestens 16 – 18 cm Stammumfang in 1,0 m Höhe).
2.3
Degradierte Feldhecken zeichnen sich durch größere Lücken und/oder durch (Vieh-) Beweidung geschädigter Teilabschnitte aus und sollten, um ihre Funktion zu erhalten, wiederhergestellt werden. Eine unmittelbare Verpflichtung zur Wiederherstellung degradierter Feldhecken besteht für den Landwirt nicht.
Zur Pflege aller degradierten Feldhecken gehört die Nachpflanzung, um schadhafte Stellen auszubessern. Starker Viehverbiss ist durch geeignete Maßnahmen auszuschließen, wie beispielsweise durch Zäunung.
2.4
Zum Schutz und zur Pflege einer Feldhecke gehört auch die Erhaltung der Krautsäume, die aus Gründen des Wurzelschutzes mindestens 1,0 m Breite auf jeder Seite aufweisen müssen, wobei der Krautsaum nicht zur Mantelzone gehört. Bei üppigen Hochstaudenfluren soll alle drei bis fünf Jahre eine Mahd durchgeführt werden, um die Ausbreitung der Feldhecke zu verhindern. Dagegen ist bei Neuanpflanzungen eine häufigere Mahd des Kräutersaumes sinnvoll, um beispielsweise auf stärker eutrophierten Standorten der Ausbildung eines übermäßig starken Brombeermantels entgegenzuwirken. Die Mahd wirkt auch einer Ausbreitung der Feldhecke entgegen.
2.5
Zu Pflegemaßnahmen gehört auch die Entnahme von Pflanzen aus bestehenden älteren Feldhecken zur Gewinnung von heimischem Pflanzmaterial zur Neuanpflanzung von Feldhecken.


3.
Bewirtschaftungsmaßnahmen sind so durchzuführen, dass Feldhecken nicht zerstört oder durch sonstige Maßnahmen nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden. Aus naturschutzfachlichen und artenschutzrechtlichen Gründen sind alle Maßnahmen an Bäumen und Sträuchern in der Feldhecke in der Zeit vom 15. März bis zum 30. September unzulässig. Das Heranpflügen von weniger als 1,0 m zur Mantelzone oder die Anlage von Feldzuwegungen bzw. Feldauffahrten stellt eine erhebliche Beeinträchtigung dar. Die Anlage von Feldzuwegungen bzw. Feldauffahrten ist auf das für die Bewirtschaftung unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Das seitliche Schlegeln ist zu vermeiden, weil eine saubere Schnittführung und damit eine Wundverheilung – insbesondere an stärkeren Ästen (> 5 cm Durchmesser) – nicht gewährleistet ist. Gegen das Schlegeln sprechen auch ästhetische Erwägungen, insbesondere in älteren Heckenstadien.
3.1
Bei alten Heckenstadien handelt es sich um Feldhecken, die in den letzten 35 Jahren nicht „auf-den-Stock-gesetzt“ wurden und durch eines der folgenden Merkmale charakterisiert sind:
 
• einen auffallend hohen Anteil starker Holunder, Weißdorn und/oder Pfaffenhütchen oder mächtiger Überhälter - insbesondere der Eiche und Buche sowie von Ahorn, Wildobst, Schwarzerle oder Weide - aufweisen; Mindestalter der Hecke ca. 75 Jahre,
 
• einen hohen Anteil an Kletterpflanzen, beispielsweise Waldrebe und wilder Hopfen in Weißdorn-Schlehenhecken aufzeigen,
 
• auf ehemaligen Landwehren wachsen oder aufgrund der sogenannten Koppelwirtschaft entstanden sind.
Alte Heckenstadien spiegeln die natürlichen Standortgegebenheiten ganz besonders gut wieder. Sie sind weitestgehend der natürlichen Sukzession zu überlassen.
Schnittmaßnahmen und Pflegeschnitte sind im Regelfall unzulässig. Sind ausnahmsweise seitliche Schnittmaßnahmen durchzuführen, vor allem um ein weiteres Ausbreiten der Feldhecke zu verhindern, sollte aufgrund der sehr hohen naturschutzfachlichen Wertigkeit alter Feldhecken vor Beginn der Arbeiten die zuständige Naturschutzbehörde beratend einbezogen werden.
3.2
Aufastungen dürfen nur dann erfolgen, wenn sie aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht unbedingt notwendig sind. Dies ist jedoch in Feldhecken ein Ausnahmefall.
Wenn Aufastungen durchgeführt werden, ist darauf zu achten, dass diese fachgerecht und nur so hoch wie erforderlich (maximal 4,50 m) vollzogen werden. Aufastungen von mehr als 4,50 m sind unzulässig.
Schnittmaßnahmen während der Frostperiode sind bei Ahorn, Birke, Esche, Pappel, Rosskastanie, Walnuss sowie an Obstbäumen nicht zu empfehlen. Im Einzelfall ist daher zu prüfen, ob Schnittmaßnahmen an diesen Baumartengruppen während der Vegetationsperiode durchgeführt werden können, um eine bessere Überwallung der Wundfläche zu gewährleisten bzw. zu fördern.
3.3
Stehendes Totholz in den Feldhecken soll erhalten bleiben, sofern nicht wesentliche Gründe der Verkehrssicherungspflicht entgegenstehen, wie dies im Einzelfall bei Feldhecken an Straßen vorkommen kann. Auch in diesem Fall ist zu prüfen, ob hoch abgesägte Stubben erhalten bleiben können.
Die Beseitigung von liegendem Totholz alter Baumstämme in Feldhecken ist unzulässig.
3.4
Das Ablagern von Schnitt- und Mähgut, Silage, Kompost, Müll und Bauschutt in der Feldhecke und das Anbringen von Stacheldraht, Zaunteilen oder sonstigen Materialien an Bäumen ist unzulässig.
Schnittgut ist nur dann in Teilbereichen der Feldhecke zu belassen, wenn es den Wiederaustrieb der Gehölze nicht behindert oder gezielt Unterschlupfmöglichkeiten für Kleinsäuger geschaffen werden sollen und der Krautsaum nicht beeinträchtigt wird.
3.5
Das Pflügen an Feldhecken in einem Abstand von weniger als 1,0 m zur Mantelzone der Feldhecke oder das Abpflügen des Knickwalls ist unzulässig.
3.6
Das Einbringen von Düngemitteln, Wirtschaftsdüngern, Sekundärstoffdüngern (wie z. B. Abwasser, Fäkalien, Klärschlamm), Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten, Pflanzenhilfsmitteln und Pflanzenschutzmitteln oder vergleichbaren Stoffen außerhalb des Anwachszeitraumes, auch weiterbehandelt und in Mischungen untereinander, in die Feldhecke oder in den Krautsaum ist unzulässig.


4.
Die zuständige Naturschutzbehörde kann auf Antrag von den zwingenden Vorschriften des § 20 LNatG M-V Ausnahmen (§ 20 Abs. 3) und nach § 66 Abs. 2 LNatG M-V Befreiungen zulassen. Ausnahmen setzen voraus, dass Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können oder die Maßnahme aus überwiegenden Gründen des Gemeinwohls notwendig ist.
Befreiungen können erteilt werden, wenn:
a)
die Durchführung der Vorschrift im Einzelfall zu einer nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu vereinbaren ist oder zu einer Verschlechterung des Zustandes des betroffenen Teiles von Natur und Landschaft führen würde,
b)
überwiegende Gründe des Gemeinwohls die Befreiung erfordern.
Kann danach eine Ausnahme oder Befreiung erteilt werden, sind die Beeinträchtigungen im erforderlichen Maße auszugleichen. Kann ein Ausgleich nicht erfolgen, hat der Verursacher möglichst in der vom Eingriff betroffenen Großlandschaft durch geeignete Maßnahmen die beeinträchtigten Strukturen, Funktionen und Prozesse von Natur und Landschaft möglichst gleichwertig oder ähnlich zu ersetzen (Ersatzmaßnahmen). Dabei ist auf das Landschaftsbild Rücksicht zu nehmen. Können die Beeinträchtigungen der Feldhecke auch durch Ersatzmaßnahmen nachweisbar nicht behoben werden, ist für die verbleibenden erheblichen Beeinträchtigungen eine Ausgleichszahlung zu leisten.




IV.


1.
Ziel ist es, struktur- und buchtenreiche Feldhecken anzupflanzen und zu pflegen, so dass diese als lineare Landschaftsstrukturen zu einem Biotopverbund beitragen. Es ist bei der Neuanpflanzung darauf zu achten, dass Feldhecken untereinander und/oder mit anderen Biotopen verbunden werden. Bei Neuanpflanzungen im Rahmen einer Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahme soll eine Mindestbreite der Feldhecke von 4,0 m – einschließlich eines jeweils 1,0 m zu beiden Seiten breiten Krautsaumes – vorgesehen werden. Eine Feldhecke ist mindestens zweireihig anzulegen.


2.
Bei Neuanpflanzungen ist Folgendes einzuhalten:
2.1
Alte, vorhandene Hecken lassen Rückschlüsse auf die potentiell-natürliche Vegetation zu.
Die Artenzusammensetzung einer Feldhecke ist an der potentiell-natürlichen Vegetation auszurichten bzw. den regionaltypisch bereits bestehenden Feldhecken, Feldgehölzen oder Waldrändern der Umgebung anzugleichen.
Grundsätzlich sind einheimische und standortgerechte Baum- und Straucharten mit möglichst autochthoner Herkunft anzupflanzen.
Einheimische Ulmenarten (insbesondere Flatter- und Feldulme) sind trotz des sogenannten „Ulmensterbens“ nicht auszuschließen. Bei größeren Ulmenpflanzungen sind Resista-Klone zu empfehlen.
Aus historischen Gründen können im Einzelfall (z. B. in Ortsnähe oder in Guts- und Parkanlagen) auch regionaltypische, alte Obstsorten oder nicht einheimische Gehölze angepflanzt werden.
Mit zunehmender Breite der Feldhecke kann auch die Artenanzahl erhöht werden. Eine hohe Anzahl von Einzelmischungen innerhalb des Pflanzenverbandes mit verschiedenen Arten soll jedoch grundsätzlich unterbleiben. Gruppenweise auftretende Arten, wie beispielsweise Schlehdorn, sind aus fachlicher Sicht auch als solche zu pflanzen. Schattenverträgliche Arten, wie z. B. Hasel oder Faulbaum sowie die höherwüchsigen Baumarten, sind in der Heckenkernzone, lichtbedürftige Gehölzarten, wie z. B. die meisten Straucharten, in der Heckenmantelzone zu pflanzen.
Folgende Baum- und Straucharten sollen in Abhängigkeit vom Standort bei Neuanpflanzungen besondere Berücksichtigung finden:
Aspe, Eberesche, Faulbaum, Feldahorn, Frühblühende Traubenkirsche, Gemeiner Schneeball, Hainbuche, Holunder, Hundsrose, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen, Rotbuche, Roter Hartriegel, Rote Heckenkirsche, Schlehdorn, Schwarzerle, Stieleiche, Strauch-Hasel, Vogelkirsche, Weißdorn (sowohl Eingriffiger als auch Zweigriffiger Weißdorn).
2.2
Seltene Baum- und Straucharten, wie beispielsweise Elsbeere, Filz-, Vogesen- und Weinrose, Purpur- und Reifweide sowie Wildapfel und Wildbirne, sollen bei der Neuanpflanzung verwendet werden (Mischungsanteil mindestens 5 % je 50 m Länge). Dies trifft für die Lokal-Sippen und Regionalarten der Gattung Rubus zu. Letztere sind insbesondere in Nordwestmecklenburg und im Küstenraum bei der Neuanpflanzung und Pflege von Feldhecken zu fördern. Das Pflanzmaterial kann durch den Eigentümer oder dem Nutzungsberechtigten aus alten Hecken oder anderen Gehölzbeständen der Umgebung gewonnen werden.
2.3
Die ökologische Wirkung von Feldhecken ist zu erhöhen, indem sie möglichst mit anderen Gehölzbiotopen verbunden werden, um Tierarten die Ausbreitungsmöglichkeiten zu erleichtern.
Mit folgenden Biotopen sollen Feldhecken insbesondere vernetzt werden:
Feldgehölze, gehölzbestandene Sölle, Alleen und einseitige Baumreihen sowie naturnahe Waldränder.
2.4
Jüngere Feldheckenabschnitte können im Einzelfall der natürlichen Sukzession überlassen werden, wenn sich ausreichend intakte Feldhecken in der Umgebung befinden.
2.5
Historisch gewachsene Strukturen sind bei der Linienführung einer Neuanpflanzung zu berücksichtigen.
2.6
Sie sind vorrangig dort neu anzulegen, wo diese ehemals auch landschaftsprägende Elemente waren.
2.7
Bei den zu pflanzenden Bäumen und Sträuchern ist nach Möglichkeit autochthones Pflanzmaterial zu verwenden.
2.8
Wegen der regionalen und standörtlichen Unterschiede, der verschiedenen Witterungsabläufe und der unterschiedlichen Beschaffenheit des Pflanzmaterials lässt sich kein einheitlicher Zeitpunkt für die Neuanpflanzung festlegen. Erfahrungsgemäß sind jedoch die Monate März/April und Oktober/November als günstig zu beurteilen. Eine Pflanzung im Spätherbst ist nach längeren sommerlichen Trockenperioden oder bei der Gefahr von Frosthebungen nachteilig.
2.9
Wenn mit Schädigungen der Neuanpflanzungen durch Wild (Verbiss, Fegen) oder Weidevieh zu rechnen ist, sind Schutzmaßnahmen (Einzelschutz, Zäunung) zu empfehlen.


3.
3.1
Bei der Neuanpflanzung von Feldhecken sind keine Flächen zu beanspruchen, denen bereits bedeutende Funktionen für Flora und/oder Fauna zukommen. Dazu zählen auch gesetzlich geschützte Biotope im Sinne des § 20 LNatG M-V.
3.2
Düngemittel, Wirtschaftsdünger, Sekundärstoffdünger, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenhilfsmittel und Pflanzenschutzmittel oder vergleichbare Stoffe dürfen nach der Anwachszeit (maximal fünf Jahre) nicht in die Feldhecke ausgebracht werden (einschließlich des Krautsaumes).
3.3
Neuanpflanzungen auf dem Mittelstreifen von Straßen oder am Straßenrand sind insbesondere aus Gründen des Vogelschutzes zu unterlassen. Dies trifft auch dann zu, wenn ein Pflanzabstand zum befestigten Fahrbahnrand von mehr als 4,50 m möglich ist. Unberührt von dieser Regelung bleiben Heckenneuanpflanzungen an ländlichen Wegen sowie an Geh- und Radwegen.
3.4
Wegen der drohenden Ausdehnung in landwirtschaftliche Flächen sind insbesondere nicht einheimische Arten wie Hybridpappel, Silberpappel, Grauerle, Götterbaum, Eschen-Ahorn und Spätblühende Traubenkirsche nicht zu pflanzen.
3.5
Es sind insbesondere Nahrungs-, Rast- und Schlafplätze von Kranichen, Sing- und Zwergschwänen sowie Brut- und Nahrungsplätze von Weihen und Vogelgesellschaften der Offenlandschaft zu berücksichtigen.
Solche Offenlandschaften sind insbesondere:
Westrügen und Darßer Boddenkette einschließlich der Bock-Region,
Dänische Wieck sowie Kooser- und Karrendorfer Wiesen,
Gebiete in der Umgebung des Peenestroms,
Wismarbucht, Boiensdorfer Werder, Insel Poel, Wiesen am Breitling, Conventer Niederung,
Gebiete um den Schweriner Außensee,
Lewitz,
Elbetal,
Gebiete in der Umgebung des Müritzsees,
Teterower-Malchiner-Becken einschließlich der Niederung um den Kummerower See,
Tollensebecken,
Niederung am Putzarer See sowie
Friedländer Große Wiese und Randowniederung.




V.
In alten Heckenstadien sollen generell Schnittmaßnahmen unterbleiben. Dadurch kann es im Einzelfall zu Nutzungsverboten oder -beschränkungen aus Gründen des Naturschutzes kommen.
Bei diesen Nutzungsbeschränkungen handelt es sich um Bestimmungen über Inhalt und Schranken des Eigentums im Sinne des Artikels 14 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes. Durch sie wird keine eigentumsrechtlich geschützte Rechtsposition entzogen, sondern lediglich die Art und Weise der Nutzung näher geregelt. Gebots- und Verbotsregelungen, die sich darin erschöpfen, die vorhandene Nutzung festzuschreiben, spiegeln die Situationsgebundenheit des Grundeigentums wider. Sie sind grundsätzlich entschädigungslos hinzunehmende Inhaltsbestimmungen des Eigentums, die die Sozialpflichtigkeit konkretisieren.
Die Zahlung einer Entschädigung aufgrund von Nutzungsbeschränkungen durch Feldhecken ist nur zulässig, wenn:
1.
nach § 50 Abs. 3 Ziffer 1 und 2 LNatG M-V bisher rechtmäßig ausgeübte Grundstücksnutzungen aufgegeben oder eingeschränkt werden müssen bzw. eine noch nicht ausgeübte Nutzung, die sich nach Lage und Beschaffenheit des Grundstücks objektiv anbietet und auf die der Eigentümer sonst einen Rechtsanspruch hat, unterbunden wird;
2.
hierdurch die Betriebe oder sonstigen wirtschaftlichen Einheiten, zu denen die Grundstücke gehören, unvermeidlich und nicht nur unwesentlich beeinträchtigt werden und diese Beeinträchtigung nicht durch anderweitige Maßnahmen vollständig oder teilweise ausgeglichen werden können (z. B. im Rahmen des Vertragsnaturschutzes).




VI.
Im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie im Rahmen von Förderprogrammen werden vorrangig folgende Maßnahmen empfohlen:
1.
Windschutzpflanzungen im Sinne von Abschnitt II Nr. 3 des Erlasses sollen gezielt zu Feldhecken umgestaltet werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Fläche insgesamt erhalten bleibt.
Bei der Umgestaltung sind zunächst abgängige, nicht einheimische und nicht standortgerechte Baum- und/oder Straucharten abschnittsweise über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren zu entfernen. Bei stockausschlagfähigen Arten sind auch die Wurzelstöcke zu roden. Die Umgestaltung von Windschutzpflanzungen darf nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 14. März erfolgen.
2.
Vorrangig sind Windschutzpflanzungen in Schutzgebieten, insbesondere in Nationalparken, Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten umzuwandeln. Gleichfalls sind Windschutzpflanzungen mit einem hohen Vernetzungsgrad bevorzugt umzuwandeln. Dies gilt ebenso für Windschutzpflanzungen, die das Landschaftsbild stören (beispielsweise in Erholungsgebieten stadtnaher Bereiche).
Auf den gerodeten Flächen sind zeitnah einheimische und standortgerechte Gehölzarten nachzupflanzen.
3.
Windschutzpflanzungen sollen auf der Grundlage eines Rodungs- und Pflegeplanes umgestaltet werden. Der Rodungs- und Pflegeplan regelt den Umfang und den Zeitpunkt aller Maßnahmen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Vor Erstellung eines Rodungs- und Pflegeplanes ist der vorhandene Bestand zu kontrollieren und protokollarisch festzuhalten.




AmtsBl. M-V 2002 S. 129
Fußnoten
1)

Bei der ZTV - Baumpflege handelt es sich um „Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege“ der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL). FLL Regelwerke sind das Ergebnis ehrenamtlicher technisch-wissenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit. Durch die Grundsätze und Regeln, die bei ihrer Erstellung angewandt werden, sind sie als fachgerecht anzusehen.